Mittwoch, 23. November 2016

Recycling-Station

Vorhin habe ich - hoffentlich zum letzten Mal in diesem Jahr - wieder Gartenabfälle zur Recyclingstation in unserem Stadtteil gebracht. Was habe ich da in dieser Saison schon alles abgeladen!

Ist doch praktisch, dachte ich, als ich mich auf der Rückfahrt durch den Feierabendverkehr quälte. Da kann man alles abladen, was man nicht mehr braucht, und wenn es nicht gerade Bauschutt oder Restmüll ist, sogar kostenlos. Naja, wirklich kostenlos ist es nicht, denn finanziert wird das über die Müllgebühren.

Manchmal sammelt sich allerhand an, bis ich mich aufraffe, alles ins Auto zu laden und wegzubringen. Aber dann bin ich hinterher immer froh, den "Mist" losgeworden zu sein.

A propos "Mist": Was ist eigentlich mit dem "Mist" im übertragenen Sinn, den wir immer wieder bauen? Wo werden wir den los? Ich meine die Schuld, die wir täglich auf uns laden, indem wir Gottes gute Gebote übertreten und Ihm und anderen Menschen Unrecht tun. Dazu gehört nicht nur das Falsche, was wir tun, sondern auch das Richtige und Notwendige, was wir unterlassen.

Die Menschen haben da so ihre Strategien entwickelt. Man kann versuchen, seine Fehler anderen in die Schuhe zu schieben. Aber das geht nur, wenn man Chef ist. Und aus der Welt geschafft sind sie damit ja auch nicht. Man kann sie unter den Teppich kehren, sprich: zu verbergen versuchen. Aber irgendwann bilden sich da Hügel, über die man immer häufiger stolpert, und dann fallen sie doch auf. Man kann sie auch schön anstreichen, damit sie nicht so häßlich aussehen, sprich: sie verharmlosen. Aber damit macht man auf die Dauer höchstens sich selbst etwas vor.

Die Bibel nennt das "Sünde": das, was uns von Gott trennt und vor Ihm schuldig macht. Und sie sagt auch, daß der heilige Gott, der die Sünde haßt, uns dafür bestrafen muß. Sie sagt aber auch, daß Gott die Liebe in Person ist und uns das deshalb ersparen möchte. Und daß Er einen Ausweg gefunden hat, um beiden Ansprüchen gerecht zu werden: Seiner Heiligkeit und Seiner Liebe.

Dieser Ausweg bzw. die Lösung dieses Problems heißt Jesus Christus. Um uns die Hölle zu ersparen, hat Gott Seinen Sohn an unserer Stelle durch die Hölle gehen lassen. Er hat dafür gesorgt, daß Jesus, obwohl Er der einzige Mensch war, der nie gesündigt hat, als Schwerverbrecher am Kreuz hingerichtet wurde. Und dann hat Gott die Last der Schuld der gesamten Menschheit aller Zeiten und an allen Orten auf Ihn gelegt. Und dann ist Sein Sohn unter unsagbaren körperlichen und vor allem psychischen Qualen gestorben. Aber drei Tage später wieder auferstanden.

Für uns bedeutet das, daß Gott uns nun nicht mehr bestrafen muß. Die Strafe ist bezahlt. Aber das müssen wir für uns persönlich in Anspruch nehmen. Wir müssen den Müll unserer Schuld im übertragenen Sinn bei Jesus abladen, indem wir Ihn bitten, sie uns zu vergeben. Und dann ist sie entsorgt! Ja, wirklich!

Ich werde nie vergessen, daß ich das kaum glauben konnte, als ich es zum ersten Mal begriff. Aber dann tat ich es - und wußte sofort: Ja, das stimmt! Ich erfuhr eine unbeschreibliche Befreiung. Seitdem weiß ich, daß Gott mich angenommen hat und mir ewiges Leben geschenkt hat.

Und ich kann jeden Tag wieder neu meine Schuld bei Ihm abladen. Mich kostet das nichts. Aber Er hat einen unvorstellbar hohen Preis dafür bezahlt. Aus Liebe.

"Denn so sehr hat Gott die Welt (alle Menschen) geliebt, daß Er Seinen einzigen Sohn hergegeben hat, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat" (Johannesevangelium 3, 16).

Samstag, 22. Oktober 2016

"A bit underdressed for the occasion"

Das ist ein typisch britischer Ausdruck, mit dem jemand kritisiert wird, der zu leger gekleidet an einer Veranstaltung teilnimmt oder einer Einladung folgt. Amerikaner, die diesbezüglich etwas lockerer sind, würden das wohl "too casual" nennen (zu salopp).

Daran denke ich in letzter Zeit oft, wenn ich Männer im Fernsehen wahrnehme. Dabei wäre auch noch Manches zu sagen über ungekämmte Haare bzw. die Unsitte, daß auch Herren sich in letzter Zeit manchmal von Friseuren die Haare so zurichten lassen, daß sie aussehen, als wären sie schon lange nicht mehr mit einem Kamm in Berührung gekommen - was Frauen ja schon länger gerne machen.

Aber das nur nebenbei. Früher sah man in der Flimmerkiste z.B. Moderatoren in Anzugjacke, einfarbigem Hemd und dazu passender Krawatte. Das hat mir immer gut gefallen. Dann änderte sich die Mode jedoch dahingehend, daß die Krawatte nicht mehr zum Hemd paßte bzw. zur Anzugjacke oder auch alles sich farblich und bzw. oder mustermäßig biß. Ich bin z.B. so hoffnungslos altmodisch, daß ich finde, braun und schwarz sieht zusammen unmöglich aus. 

Dann kam plötzlich der halbe Krawattenknoten in Mode, so daß das Ding seitdem zwangsläufig immer mehr oder weniger schief hängt (obwohl man teilweise auch schon wieder zum "doppelten Windsor" zurückkehrt). Um das etwas zu mildern, werden die Schlipse seitdem meist dick gefüttert hergestellt. Was bei mir, der ich sie weiter so binde wie eh und je, oft zu einem zu kurzen Kulturstrick führt, denn der soll ja eigentlich bis zum Gürtel reichen - und das trotz des gut gewölbten Bauches!

Aber das war den Modediktatoren immer noch zu formal. Als nächstes wurde die Krawatte einfach ganz weggelassen, und man ließ den obersten Knopf des Hemdes offen. Das sieht immerhin besser aus als ein von Farbe und bzw. oder Muster her nicht passender, schief hängender Schlips. 

Derzeitiger Entwicklungsstand ist, daß jetzt auch der zweite Knopf offen bleibt. Dazu trägt man ein Unterhemd mit rundem, kleinen Kragen, damit der Fernsehzuschauer auch ja sehen kann, daß man ein solches anhat. 

Jetzt kratze ich mich ratlos am Kopf und frage mich, was als Nächstes kommt: Läßt man das Hemd ganz offen und über den Gürtel hängen? 

Ich bin gespannt!

Samstag, 13. Februar 2016

Jeder Schlüssel paßt (nicht)!

Mit diesem Schlüssel wollte ich heute unseren Opel Meriva entriegeln. Aber obwohl die Batterie genügend Spannung hat und es ein Original-Opel-Schlüssel ist, tat sich nichts. Da konnte ich noch so viel auf den "Öffnen"-Knopf drücken.

Dann fiel mir auf, daß dies nicht der Schlüssel für unseren Meriva ist, den meine Frau sonst immer fährt, sondern für meinen Corsa. Das konnte ja nicht funktionieren.

Ja, aber warum denn nicht? Sind nicht letztlich alle Autos gleich? Müßte dann nicht auch jeder Schlüssel zu jedem Fahrzeug passen? Ist es nicht intolerant und anmaßend, zu behaupten, nur meine Frau habe den passenden Schlüssel für ihr Auto? Auf diese Idee würde wohl kein geistig gesunder Mensch kommen.

Wenn es dagegen um religiöse Dinge geht, herrscht genau dieses Denken vor. Alle Religionen beten zu demselben Gott, sagt man. Und deshalb sei auch jede gleichermaßen der richtige Weg zu Ihm. Es sei anmaßend und intolerant, wenn konservative Christen behaupten, nur durch Jesus Christus könne man zu Gott kommen (auch, wenn Er das selbst von sich behauptet hat in Johannes 14, 6). 

Diese Auffassung hat natürlich manches für sich: Sie stößt niemand vor den Kopf, und sie paßt sehr gut zum postmodernen Zeitgeist, der alles gleichermaßen gelten läßt - auch Ansichten, die einander diametral widersprechen. Sie hat aber auch gravierende Nachteile: Erstens ist sie unlogisch und zweitens falsch.

Unlogisch: Sollte ein und derselbe Gott den Christen gesagt haben, Er habe sich abschließend in Seinem Sohn Jesus Christus offenbart (sich bemerkbar gemacht und Seinen Willen kundgetan), den Muslimen jedoch, Er habe gar keinen Sohn, und an dessen Stelle sei Mohammed Sein letzter Prophet? Wie kann man behaupten, z.B. Hindus auf der einen Seite und Juden, Christen und Muslime auf der anderen Seite beteten denselben Gott an, obwohl es im Hinduismus Millionen von Göttern gibt, während die anderen drei Religionen das als Götzendienst ablehnen, den ihr Gott haßt? Und hätte Gott Seinen innig geliebten Sohn einen grausamen Tod am Kreuz sterben lassen, um noch einen hundertneunundzwanzigsten Weg zu Ihm zu schaffen, wenn doch ein einziger reichen würde?

Damit sind wir wieder bei der verriegelten Autotür. Auch, wenn es nicht zum Zeitgeist paßt: Es gibt Fragen, auf die es nur eine einzige richtige Antwort gibt. Ich nenne zusätzlich zum Autoschlüssel noch zwei weitere Beispiele: Ergibt die Gleichung 1 + 1 auch das Ergebnis -29, 359996677 oder 5,877? Kann man einen Zehnerbolzen auch mit einem Dreizehnerschlüssel festziehen?

Jetzt hättest Du von mir sicher gerne einen Beweis für die Richtigkeit meiner Überzeugung, daß ausgerechnet Jesus Christus der einzige Weg zu Gott ist. Den gibt es leider nicht. Aber es gibt empirische (erfahrungsmäßige) Hinweise darauf: Frage mal einen Juden, einen Muslim, einen Hindu, einen Buddhisten usw., ob er die Gewißheit hat, daß Gott ihn aufgrund seiner religiösen Leistungen angenommen hat bzw. annimmt. Wenn sie ehrlich sind, werden sie diese Frage allesamt verneinen müssen.

Wer dagegen darauf vertraut, daß der stellvertretende Opfertod Jesu am Kreuz ihm trotz seiner Unvollkommenheiten den Weg zu Gott geebnet hat, der hat diese Gewißheit. Weil sie nämlich nicht auf den eigenen, zwangsläufig unzulänglichen reiligiösen Leistungen beruht, sondern einzig und allein auf dem, was der sündlose Sohn Gottes für ihn getan hat. Diese Gewißheit ist das Kostbarste, was ich habe, und so gut das Einzige, was mir nichts und niemand nehmen kann. 

Du kannst es auch haben! Es ist ein Geschenk, das Gott allen Menschen anbietet.

Denn so hat Gott der Welt seine Liebe gezeigt: Er gab seinen einzigen Sohn dafür, dass jeder, der an ihn glaubt, nicht ins Verderben geht, sondern ewiges Leben hat.
(Johannesevangelium 3, 16)

Mittwoch, 13. Januar 2016

Vertraute und doch fremde Heimat

Am 6. Oktober 2013 habe ich in diesem Blog einige Gedanken zum Thema "Heimat" festgehalten. Damals schrieb ich u.a.:

Wir leben nun schon seit über fünfundzwanzig Jahren in Bischofsheim bzw. Rüsselsheim, sind aber in Norddeutschland aufgewachsen. Da läge es eigentlich nahe, daß wir dorthin zurückkehren, wenn in wenigen Jahren unser Ruhestand beginnt. Das werden wir aber nicht tun. Wir sind zwar sehr oft umgezogen (zuletzt 2007), haben aber nirgends so lange "am Stück" in einer Gegend gewohnt wie hier im südwestlichen Rhein-Main-Gebiet. Hier haben wir unseren Freundeskreis, und hier fühlen wir uns daheim.

Aber, wie mein Vater immer sagte, soll man nie "nie" sagen. Denn inzwischen wohnen wir doch im Elternhaus meiner Frau in Bremen. Mein Schwiegervater hatte sich das immer gewünscht, und da wir hier mietfrei wohnen, sparen wir viel Geld. Der Vater meiner Frau ist im September vorigen Jahres plötzlich gestorben, und meine Frau hat das Haus geerbt - also haben wir unsere Pläne geändert.

Allerdings fällt uns die Umstellung doch ziemlich schwer, obwohl meine Frau ja hier aufgewachsen ist und mir das Haus und die Stadt Bremen auch durchaus nicht fremd sind. Daß diese Wohnung noch nicht "unsere" ist und wir innerlich auch nach mehreren Wochen noch nicht "angekommen" sind, liegt sicherlich auch daran, daß die meisten unserer Möbel noch in der alten Wohnung in Rüsselsheim stehen, weil hier noch sehr viele Renovierungs- und Änderungsarbeiten durchgeführt wurden und noch werden. Es hängt aber auch damit zusammen, daß einem in unserem Alter Veränderungen schwerer fallen als früher. Wir haben Heimweh nach Hessen! Dabei wurde uns bewußt, daß wir trotz allem nie richtige Hessen waren und wohl auch nie richtige Bremer werden. Wir sind nirgends wirklich zu Hause!

Natürlich werden wir uns hier wohler fühlen, wenn wir erst einmal richtig eingerichtet sind und uns eingelebt haben. Wir hatten ja bisher auch so gut wie keine Zeit, um in dieser Stadt den Kontakt zu Verwandten und alten Freunden wiederaufleben zu lassen. Aber ich fürchte, es wird immer ein Stück Heimatlosigkeit zurückbleiben.

Das ist natürlich einerseits traurig. Aber andererseits ist es sogar gut so. Die meisten Menschen und sogar ein ganz großer Teil der bewußten, engagierten Christen leben nämlich faktisch so, als gäbe es nur das Diesseits. Dabei sagt die Bibel etwas ganz Anderes:

Denn hier auf der Erde haben wir keine Heimat. Unsere Sehnsucht gilt jener künftigen Stadt, zu der wir unterwegs sind (Hebräer 13, 14, Neue Evangelistische Übersetzung).

Diese Sehnsucht spüre ich nur bei ganz wenigen Christen - leider.

Doch wir haben unser Bürgerrecht im Himmel (Philipper 3, 20, Neue Evangelistische Übersetzung).

Christen sind überall auf der Welt Ausländer! Wir sind hier, um einen Auftrag zu erfüllen, aber danach geht es endlich "nach Hause"! Meine gefühlte Heimatlosigkeit erinnert mich an diese Tatsache und hilft mir, mein Leben aus der Perspektive der Ewigkeit zu sehen. Alles Materielle, was uns in dieser Welt so wichtig ist, ist nur provisorisch und wird vergehen. In den Himmel können wir es nicht mitnehmen, und es wäre dort auch nur Müll.

Christen sollten mit beiden Beinen auf dem Boden dieser Erde stehen, aber ihr Herz sollten sie schon in den Himmel vorausschicken.

Woran hängt Dein Herz? Wo bist Du zu Hause?

Dienstag, 29. Dezember 2015

Gedanken zur Jahreslosung 2016



Wie jemand, den seine Mutter tröstet, so werde ich euch trösten.
Jesaja 66, 13


Wir Evangelikalen machen oft den Fehler, Bibelworte einfach eins zu eins auf uns anzuwenden, ohne danach zu fragen, wem sie eigentlich ursprünglich gegolten haben und in welchem Zusammenhang sie stehen.

Diese wunderbare Verheißung steht im letzten Kapitel des Buches Jesaja. Darin geißelt der Prophet im Auftrag Gottes wieder einmal die Scheinheiligkeit seines Volkes: Sie geben sich sehr fromm, indem sie die vom Gesetz verlangten Opfer bringen. Gleichzeitig aber tun sie Dinge, die Gott ein Greuel sind, und sind Ihm ungehorsam.

Der zweite Teil des Buches Jesaja besteht eigentlich eher aus Verheißungen und Ermutigungen Gottes für Sein Volk. Aber hier, im letzten Kapitel, kündigt Er noch einmal Gericht an (Vers 4). Aber gleich danach prophezeit Er wunderbare, herrliche Zeiten für diejenigen Juden, die sich an diesem Treiben nicht beteiligt haben, sondern darüber traurig sind (Vers 10 b).

Und in diesem Zusammenhang steht das Bibelwort, das uns 2016 begleiten soll. Es ist eine Verheißung, deren Erfüllung Gottes Volk noch nicht im vollen Maß erlebt hat. Und wir als Seine Kinder auch nicht.

Zwar spricht Paulus in 2. Korinther 1 auch davon, daß Gott uns tröstet, aber das ist doch immer nur vorübergehend. Der Herr Jesus selbst hat gesagt: „In der Welt habt ihr Angst (wörtlich: Bedrängnis).“ Und Er fährt fort: „Aber seid guten Mutes …“; allerdings begründet Er das nicht mit der Zusage Seines Trostes, sondern: „denn ich habe die Welt besiegt.“ Von diesem Seinem Sieg werden wir aber erst am Ende der Zeit in vollem Maße profitieren.

Mich erinnert unsere Jahreslosung an eine Verheißung aus dem Buch der Offenbarung des Johannes: „ … und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen“ (Offenbarung 7, 17/ 21, 4). Können das nicht auch die Engel tun? Ja sicher! Aber das ist unserem himmlischen Vater so wichtig, daß Er es selbst machen wird – das ist Chefsache!

Ich habe in unserem Bibelwort das persönliche Fürwort „ich“ unterstrichen. Der Grund dafür ist, daß solche Fürwörter im Hebräischen normalerweise gar nicht erwähnt werden – wer jeweils spricht oder handelt, das geht aus der Verbform (Form des Tätigkeitswortes) eindeutig hervor. Wenn es dann doch genannt wird, dann, um zu betonen, wer der Handelnde ist. Hier ist es Gott selbst.

Nicht jeder von uns hat eine Mutter (gehabt), bei der er immer den Trost findet oder gefunden hat, den er braucht(e). Mütter sind nun einmal auch nur Menschen. Deshalb ist dieses Bild vielleicht nicht für jeden von uns hilfreich. Dann denk daran: Gott ist unser vollkommener himmlischer Vater, der immer Zeit und Verständnis und Liebe für uns hat. Wenn unsere Mutter uns Tränen abgewischt hat, dann war es letztlich nur eine Frage der Zeit, daß wir irgendwann wieder geweint haben. Aber wenn wir einst durch Gottes Gnade im Himmel ankommen, wahrscheinlich noch mit Tränen in den Augen, dann werden das die letzten Tränen sein, die wir geweint haben.

Zurück zum Zusammenhang unseres Bibelwortes: Wer diese Gewißheit hat, dem sollte sie eigentlich ein großer Ansporn sein zum Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, wie er uns in der Bibel geoffenbart worden ist und wie wir ihn in Seinem persönlichen, stillen Reden zu uns im Alltag erfahren. Laß uns Ihm gerade auch im neuen Jahr folgen!

Dienstag, 22. Dezember 2015

Juden nicht mit dem Evangelium belästigen?

In den beiden großen Kirchen sowie in einigen Freikirchen herrscht die Ansicht vor, daß man Juden nicht mit dem Evangelium "belästigen" sollte. Erstens haben sie durch den Holocaust (oder, wie die Juden sagen, die Schoah) schon genug durchgemacht. Und zweitens brauchen sie Jesus gar nicht, weil Gott einen ganz anderen Heilsweg für sie habe.


Zu Punkt 1 habe ich einmal einen messianischen Juden sinngemäß sagen gehört: "Gerade weil wir Juden so Schlimmes durchgemacht haben, darf man uns das Evangelium nicht vorenthalten."

Das sind nun zwei sehr konträre Meinungen. Was sagt denn die Bibel dazu? Ich bin in meiner heutigen Bibellese über das "gestolpert", was der Engel des Herrn zu Joseph sagte, als der von der Schwangerschaft seiner Verlobten gehört hatte. Da sagte der Engel u.a.:

Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn Er wird Sein Volk retten von ihren Sünden. (Matthäus 1, 24)

Ich bin über die Worte "Sein Volk" gestolpert. Ich hätte eher erwartet, daß der Engel von "der Menschheit" oder "allen Menschen" spricht. Aber er beschränkt sich hier auf die Juden. Das heißt, Jesus ist der Messias, der Retter vor allem und in erster Linie Seines Volkes. Wenn das so ist (und es kann keinen Zweifel daran geben, wie wir noch sehen werden), dann ist es absurd und pervers, allen Völkern die Gute Nachricht von Jesus Christus zu sagen und sie ausgerechnet den Juden vorzuenthalten. 

Bekanntlich hat der Jude Paulus das genauso gesehen. Wenn man die Apostelgeschichte liest, sieht man, wie sehr er sich vor allem am Anfang seiner Missionstätigkeit bemüht hat, andere Juden für den Messias Jesus zu gewinnen. Ich weise nochmals darauf hin, daß Paulus Jude war. Und auch der Jude Petrus hat Juden missioniert. Die ersten Kapitel der Apostelgeschichte zeigen, wie schwer sich die ersten Christen (die ja alle Juden waren) damit taten, zu begreifen, daß Gottes Heilsangebot auch den Nichtjuden gilt.

Auch danach hat Paulus daran festgehalten, daß das Heil in Jesus Christus zuerst und vor allem den Juden gilt:

Denn ich bekenne mich offen und ohne Scham zu dieser Botschaft: Sie ist ja Gottes Kraft und rettet jeden, der ihr glaubt. Das gilt zunächst für Juden ... (Römer 1, 16, Neue Evangelistische Übersetzung)

 Und der Jude Petrus erklärte kategorisch und scheinbar "intolerant":

Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist uns Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können. (Apostelgeschichte 4, 12, Neue Genfer Übersetzung)

Das paßt auch zu dem, was der Jude Jesus über sich selbst gesagt hatte:
 
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Johannes 14, 6, Neues-Leben-Übersetzung)

Das schließt einen besonderen Heilsweg für die Juden logischerweise aus.

Den Juden das Evangelium zu bezeugen und nahezubringen, sollte also nicht nur selbstverständlich sein, sondern in der Missionsarbeit sogar eine hohe Priorität haben. Daß wir Deutschen dazu nicht besonders geeignet sind nach allem, was wir den Juden angetan haben, steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber wer Juden in seinem Umfeld hat, sollte keine Scheu haben, Gelegenheiten zu nutzen, um ihnen zu sagen, was und wieviel ihm oder ihr der Messias Jesus bedeutet.

Sonntag, 20. Dezember 2015

Weihnachtsfreude ohne Weihnachtsstimmung?

Drei Weihnachtsfeste in meinem Leben gab bzw. gibt es, an denen es mit Weihnachtsstimmung schwierig war bzw. ist:

1979 wollten wir am 27.12. umziehen (kann man wirklich so dämlich sein?). Vorher mußten wir noch die alte Wohnung renovieren. Also stellten wir die Möbel in der Mitte der Zimmer zusammen, um die Wände neu streichen zu können. An Heiligabend legte ich den Pinsel beiseite, ging zu Freunden, um den Weihnachtsmann zu geben, und dann ging es zurück, und ich renovierte weiter.

1983 war unser erstes Weihnachten in Haiti. Natürlich gab es keinen Weihnachtsbaum, und die mitgebrachten Kerzen bogen sich traurig zur Seite durch die Hitze. Den zweiten Weihnachtstag (oder war es erst der 27.12.?) verbrachten wir am Meeresstrand. Obwohl wir selbst im Wasser T-Shirts trugen, holten wir uns einen Sonnenbrand, der sich gewaschen hatte. Fröhliche Weihnachten!

Dieses Jahr stecken wir mal wieder in einem Umzug. Ich bin aus beruflichen Gründen schon mal allein mit dem Nötigsten hier in Bremen eingezogen, während meine Frau noch einmal zurück nach Rüsselsheim mußte für ihre letzten Arbeitstage und um den eigentlichen Umzug vorzubereiten. Heiligabend kommt sie wieder. Aber Ihr müßtet mal sehen, wie es hier aussieht! Das Wohnzimmer wird nur noch von vollen Umzugskartons bevölkert, und der Parkettboden löst sich in Wohlgefallen auf (Anfang nächsten Jahres wird er erneuert). Wie würde sich wohl ein geschmückter Weihnachtsbaum in diesem Chaos machen?

Daß in solchen Situationen kaum Weihnachtsstimmung aufkommt (trotz des Adventsgestecks und des Weihnachtssterns in der Küche), liegt ja wohl auf der Hand. Trotzdem werden die Feiertage für uns eine gesegnete Zeit werden. Warum? Nun, Weihnachtsstimmung ist etwas schönes, aber wahre Weihnachtsfreude ist davon nicht abhängig. Unsere so fast gar nicht weihnachtliche Wohnung ändert doch nichts daran, daß Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, um am Kreuz das größte Problem der Menschheit zu lösen - Er ist dort stellvertretend für uns gestorben als Strafe für unsere Schuld vor Gott. Auf dieser Basis kann Gott uns alles vergeben, womit wir gegen Seine guten Gebote verstoßen haben.

Das ist das größte und wunderbarste Weihnachtsgeschenk. Selbst, wenn ich dieses Jahr überhaupt kein Geschenk bekäme, wäre ich damit unendlich reich beschenkt.

Nochmal zum Mitschreiben: 
Weihnachtsstimmung ist etwas schönes, aber wahre Weihnachtsfreude ist davon nicht abhängig.

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs diese tiefe, beglückende und bereichernde Weihnachtsfreude, die auch am 27.12. noch nicht vorbei sein muß.