Donnerstag, 22. Februar 2018

Eine Typologie der Supermarkt-Nervensägen


Da ich mehr als Dreiviertel unserer Lebensmitteleinkäufe tätige und schon immer meine Mitmenschen genau beobachtet habe, habe ich jetzt eine Typologie der Supermarkt-Nervensägen entwickelt. Feminist*innen werden sich wohl kaum daran stören, daß ich sie nur in der männlichen Form beschreibe, weil es sich ja um mehr oder weniger unsympathische Zeitgenossen handelt.

1) Der Doppelparker
Er stellt sein Auto so auf dem Parkplatz ab, daß er bequem ein- und aussteigen kann. Daß er damit zwei Plätze belegt, das fällt ihm entweder gar nicht auf, oder er übersieht es geflissentlich.

2) Der Vorsteher
Er sucht sich in einem Gang im Geschäft eine schmale Stelle aus, z.B. neben einem abgestellten Einkaufswagen. Neben den plaziert er sich und bleibt dort lange stehen, während er sich gedanklich in die schwierige Frage vertieft, ob es vielleicht doch eine Quadratur des Kreises gibt, und wenn ja, welche.

3) Hans Guckindieluft
Wie der Vorsteher ist er anscheinend fest davon überzeugt, der letzte Überlebende der Menschheit zu sein. Andere Kunden müssen ihm ständig ausweichen, weil er seinen Wagen durch die Gegend schiebt, ohne zu gucken, wohin. Er biegt auch unvermittelt ab, wenn gerade jemand versucht, an ihm vorbeizukommen.

4) Der Geldbeuteltieftaucher
Er ist meist mindestens sechzig Jahre alt und geht davon aus, daß die Kassiererin über keinen Cent Wechselgeld verfügt. Deshalb zahlt er genau passend. Das gestaltet sich jedoch schwierig, weil seine Augen nicht mehr die besten sind und er seine Lesebrille nicht dabei hat. Und die Finger sind auch schon ein bißchen steif. Wenn die Kassiererin ihm dann angesichts der immer länger werdenden Schlange dabei helfen will, lehnt er das aber empört ab. Sowas kann er schließlich immer noch selbst!

5) Der konsequente Scheckkartenzahler
Er wiederum ist in der Regel unter vierzig und zahlt auch Bagatellbeträge prinzipiell mit der EC-Karte. Leider weiß er auch nach vielen solchen Vorgängen immer noch nicht, wie herum man diese Karte in das Lesegerät steckt. Und dann dauert es oft noch ein bißchen, bis der Betrag abgebucht ist. Dieser Typ ist fast so nervig wie sein soeben beschriebenes Gegenstück.

6) Der pedantische Phlegmatiker
Das Bezahlen geht bei ihm glücklicherweise relativ zügig. Aber leider fängt er erst danach an, die Waren zu verstauen, die die Kassierein zuvor über den Scanner gezogen hat. Er legt sie nicht etwa erst einmal in den Einkaufswagen zurück, sondern sortiert sie pedantisch in verschiedene mitgebrachte Einkaufstaschen. Vorher müssen aber noch in aller Ruhe das Wechselgeld und der Kassenbon im Portemonnaie verstaut werden, während die Wurzeln, die die Kunden hinter ihm geschlagen haben, einen immer festeren Halt im Boden bekommen. Erst danach sieht er sich in der Lage, den Platz an der Kasse freizugeben.

7) Der überaus Respektvolle
Diese Beschreibung trifft leider auf fast alle Kunden zu, wenn sie sich an Position zwei an der Kasse befinden. Viele von ihnen fahren auf der Autobahn-Überholspur dem Vehikel vor ihnen  bis auf Zentimeter auf. Aber hier an der Kasse halten sie auf einmal mindestens eine Einkaufswagenlänge Abstand, damit es nur ja keinen Auffahrunfall gibt. Dadurch kann ein Gutteil des Laufbandes für die Einkäufe nicht genutzt werden. Dieses Verhalten ist für mich äußerst rätselhaft. Wäre ich ein junger Psychologe, dann würde ich es erforschen und darüber eine Doktorarbeit schreiben.

Samstag, 27. Januar 2018

Die neue westliche Religiosität

Im Lauf des 20. Jahrhunderts und der bisherigen Jahre des neuen Jahrtausends haben sich die westlichen Menschen immer mehr vom Christentum gelöst, weil sie ja ach so aufgeklärt und modern sind und sich keine frommen Vorschriften mehr machen lassen wollen. Sie wollen frei sein.

Ohne es zu merken, haben sie im Zuge dieses Prozesses aber eine neue "Religion" geschaffen. Sie ist in vielen Punkten das genaue Gegenteil der alten und weist doch überraschende Analogien auf.

So wurde die Nächstenliebe abgeschafft; an ihrer Stelle steht die Solidarität. Das sieht zunächst einmal nach keinem so schlechten Tausch aus. Aber konnte man früher selbst und individuell entscheiden, wem man seine Zuwendung und Hilfeleistung zukommen lassen wollte, entscheiden das jetzt Organisationen wie Parteien und Gewerkschaften. Und wehe dem, der sich mit den "falschen" Leuten solidarisch erklärt!

Bestimmten jahrhundertelang die biblischen Wahrheiten bzw. kirchlichen Dogmen das Denken der Menschen, so stellt sich der postmoderne Mensch ganz individuell zusammen, was er glaubt. Maßstab ist dabei einzig, was ihm gefällt. Atheismus, Buddhismus, Hinduismus, Naturreligionen, Kommunismus usw. dienen als Steinbruch, aus denen man sich die Elemente seines Weltbildes, Glaubens und Denkens holt und zusammenstoppelt. Das Ergebnis ist ein mehr oder weniger bunter intellektueller Cocktail. Und basierte der christliche Glaube auf Logik und war in sich mehr oder weniger geschlossen, so stört es heute niemand, daß die einzelnen Versatzstücke seines Glaubens einander munter widersprechen und gegenseitig ausschließen. Man wirft dem Christentum vor, daß es mit der menschlichen Vernunft unvereinbar sei, und hat ihn ersetzt durch einen völlig irrationalen geistig-religiösen Mischmasch. Logisch ist, was gefällt.

Man hat den Gott der Bibel vom Thron gestoßen (das meint man jedenfalls). Das so entstandene Vakuum wird dadurch gefüllt, daß jeder sich selbst an Gottes Stelle setzt. Der Götze der Postmoderne ist das Ich. Die Mainstream-Religionswissenschaft, die evolutionistisch denkt, glaubt, daß die Religion sich vom Primitiven zum Komplexen entwickelt hat, also letztlich vom Polytheismus und den Naturreligionen zum Monotheismus von Judentum, Christentum und Islam. Diese "Entwicklung" wird nun umgekehrt. Wir leben wieder in der Naturreligion, die man heute Esoterik nennt, und in der Vielgötterei der Vergötzung des Ichs.

Früher war der Mensch mehr oder weniger von Gottesfurcht geprägt. Das ist der Glaube an einen heiligen, gerechten Gott, der eines Tages von uns Rechenschaft über unser Leben fordern wird. Das hatte großen Einfluß auf die Verhaltensweise der meisten Menschen. Davon hat man sich befreit: Es gibt kein Leben nach dem Tod. Wenn ich mich also rechtzeitig durch Suizid jedem menschlichen Gericht entziehe, kann ich vorher die größten Gemeinheiten begehen und bin trotzdem fein raus. Das bedeutet aber keineswegs, daß der postmoderne Mensch keine richtende Instanz über sich hat. Nur ist das heute die "political correctness": Wehe dem, der etwas tut oder sagt, wovon sich eine gerade hofierte Minderheit diskriminiert fühlen könnte!

Unsere Gesetzgebung und Rechtsprechung beruhten früher mehr oder weniger auf den Zehn Geboten der Bibel. In dem Maße, wie sie dem Zeitgeist widersprechen, wird das mehr und mehr abgeschafft. Nicht nur die Existenz absoluter Wahrheiten wird geleugnet, sondern es gibt auch keine absoluten moralischen Maßstäbe mehr (naja, bis auf ein paar Rudimente, ohne die eine freiheitliche Gesellschaft nun einmal nicht auskommen kann), die für jeden Menschen gleichermaßen gelten. So darf ja z.B. eine Mutter bei jeder Schwangerschaft entscheiden, ob ihr Kind leben soll oder nicht. Das wird mehr und mehr als Menschenrecht betrachtet. Wieso die ungeborenen Kinder de facto keine Menschenrechte haben, das hat noch niemand erklären können (oder wollen). Dennoch gibt es ein einziges, ehernes, absolut und ohne jede Einschränkung gültiges Gesetz: das der Toleranz. Dem postmodernen Menschen kann kaum etwas Schlimmeres passieren, denn als intolerant gebrandmarkt zu werden. Und das blüht ihm schon, wenn er z.B. die Frechheit besitzt, nicht daran zu glauben, daß Homosexualität angeboren ist. Dann trifft ihn die ganze, geballte Intoleranz der Toleranzapostel.

Ich bin dagegen tolerant genug, es dem Urteil der "Leser*Innen"* dieses Blogs zu überlassen, ob wir mit der neuen Religiosität einen guten Tausch gemacht haben.

*Wer sich dem Diktat dieser Sprech- und Schreibweise nicht beugt, der zieht sich in unserer ach so freiheitlichen Welt den Zorn der Sprachdiktatoren zu.  

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Sonnenwende und Winteranfang

Heute, am 21. Dezember, ist der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres und gleichzeitig der offizielle Beginn der dunklen Jahreszeit, des Winters. 

Ich mag den Winter nicht, ganz besonders nicht den schmuddeligen norddeutschen. Und die letzten Wochen haben wir kaum die Sonne gesehen - gefühlt war es fast täglich stark bewölkt oder trüb, wenn nicht sogar neblig. Das schlägt aufs Gemüt! 

Und nach der Umstellung von der Sommerzeit auf Normalzeit wurde es auf einmal noch eine Stunde früher dunkel als ohnehin schon. Und nun soll es mit dem Winter, der dunklen Jahreszeit, erst richtig losgehen?

Jein. Kalendarisch hat man den Beginn des Winters auf den heutigen Tag gelegt. Aus Sicht der Meteorologen haben wir aber schon drei Wochen davon hinter uns gebracht, denn für sie beginnt er schon am 1. Dezember. 

Rein rechnerisch ist, was das Sonnenlicht betrifft, heute der schlimmste Tag. Aber der Begriff "Sonnenwende" sagt es ja schon - jetzt kann es nicht mehr schlimmer werden, sondern nur noch besser. Ab morgen werden die Tage langsam, aber sicher, wieder länger! So hat, wer ein Auge dafür hat, auch im Dunklen einen Lichtblick.

Man kann das in der Natur noch viel deutlicher sehen. Vor einigen Wochen haben die Bäume wieder ihre Blätter abgeworfen und sind (abgesehen von den Nadelgehölzen) kahl und scheinbar tot. Aber wer genau hinschaut, sieht schon die Knospen für das neue Laub, das in einigen Wochen neu grünen und sprossen wird. Diese Knospen sind Propheten des Lebens mitten im scheinbaren Tod. Und der begründeten Hoffnung. 

Wenn etwas, was man sich gewünscht hat, sich nicht erfüllt, zitiert man in letzter Zeit immer häufiger das Sprichwort "Die Hoffnung stirbt zuletzt". Aus christlicher Sicht kann ich dem nicht zustimmen. Es besagt ja, daß die Hoffnung enttäuscht und irgendwann wie eine Kerze verlischt. 

Als Christ setze ich meine Hoffnung auf die Verheißungen des Wortes Gottes, also der Bibel. Sie sprechen nicht von einer vagen Hoffnung, die sich vielleicht erfüllt, vielleicht aber auch nicht. Die Bibel gebraucht das Wort "Hoffnung" im Hinblick auf das, was Gott uns verspricht, praktisch als Synonym (gleichbedeutendes Wort) für "Gewißheit".

Diese Welt wird immer dunkler - das hat uns der Anschlag mit dem LKW auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am vergangenen Montag mit zwölf Toten und fast fünfzig Verletzten wieder einmal brutal unter die Nase gerieben. Sagte man früher "Schlimmer geht's nimmer", muß man heute leider sagen: "Schlimmer geht's immer". Man fragt sich: Wo soll das hinführen? Wie wird das einmal enden? Im Weltuntergang wie eine typische Schlußszene von James-Bond-Filmen, in denen alles mit lauten Getöse in die Luft fliegt?

Nein, eben nicht. Das ist meine Hoffnung, ja, Gewißheit gerade in dieser dunklen Zeit: Gott läßt das Böse in dieser Welt noch eine ganze Weile gewähren. Aber zu Seiner Zeit und auf Seine Weise wird Er dem ein Ende setzen. 

Nach diesem Anschlag fragten meine Frau und ich uns, ob es nicht zu riskant ist, an Heiligabend den Gottesdienst in einer überfüllten Kirche zu besuchen - wer garantiert uns denn, daß da nicht jemand eine Bombe zündet, sich selbst in die Luft sprengt oder mit einer MP um sich schießt? 

Niemand. Aber wir sind diesen Menschen nicht ausgeliefert, sondern in Gottes Hand. Solange Er noch etwas mit uns vorhat, hält Er Seine starke Hand über uns. Und wenn unsere Zeit gekommen ist, dann gehen wir zu Ihm in die Ewigkeit, wo es dieses ganze Elend nie wieder geben wird.

Deshalb werden wir frohen Mutes am Weihnachtsgottesdienst teilnehmen. Unsere Hoffnung stirbt nicht zuletzt, sondern nie, weil sie sich auf jeden Fall erfüllen wird. Und Tage wie der heutige erinnern uns daran, daß es auch an den dunkelsten Tagen und in den finstersten Nächten Anlaß zur Zuversicht gibt.

Haben Sie diese Hoffnung und Gewißheit auch? Wenn nicht, möchten Sie sie haben? Ich helfe Ihnen gerne dabei. Kontaktieren Sie mich bitte unter detlev @ fleischhammel. de.

Mittwoch, 23. November 2016

Recycling-Station

Vorhin habe ich - hoffentlich zum letzten Mal in diesem Jahr - wieder Gartenabfälle zur Recyclingstation in unserem Stadtteil gebracht. Was habe ich da in dieser Saison schon alles abgeladen!

Ist doch praktisch, dachte ich, als ich mich auf der Rückfahrt durch den Feierabendverkehr quälte. Da kann man alles abladen, was man nicht mehr braucht, und wenn es nicht gerade Bauschutt oder Restmüll ist, sogar kostenlos. Naja, wirklich kostenlos ist es nicht, denn finanziert wird das über die Müllgebühren.

Manchmal sammelt sich allerhand an, bis ich mich aufraffe, alles ins Auto zu laden und wegzubringen. Aber dann bin ich hinterher immer froh, den "Mist" losgeworden zu sein.

A propos "Mist": Was ist eigentlich mit dem "Mist" im übertragenen Sinn, den wir immer wieder bauen? Wo werden wir den los? Ich meine die Schuld, die wir täglich auf uns laden, indem wir Gottes gute Gebote übertreten und Ihm und anderen Menschen Unrecht tun. Dazu gehört nicht nur das Falsche, was wir tun, sondern auch das Richtige und Notwendige, was wir unterlassen.

Die Menschen haben da so ihre Strategien entwickelt. Man kann versuchen, seine Fehler anderen in die Schuhe zu schieben. Aber das geht nur, wenn man Chef ist. Und aus der Welt geschafft sind sie damit ja auch nicht. Man kann sie unter den Teppich kehren, sprich: zu verbergen versuchen. Aber irgendwann bilden sich da Hügel, über die man immer häufiger stolpert, und dann fallen sie doch auf. Man kann sie auch schön anstreichen, damit sie nicht so häßlich aussehen, sprich: sie verharmlosen. Aber damit macht man auf die Dauer höchstens sich selbst etwas vor.

Die Bibel nennt das "Sünde": das, was uns von Gott trennt und vor Ihm schuldig macht. Und sie sagt auch, daß der heilige Gott, der die Sünde haßt, uns dafür bestrafen muß. Sie sagt aber auch, daß Gott die Liebe in Person ist und uns das deshalb ersparen möchte. Und daß Er einen Ausweg gefunden hat, um beiden Ansprüchen gerecht zu werden: Seiner Heiligkeit und Seiner Liebe.

Dieser Ausweg bzw. die Lösung dieses Problems heißt Jesus Christus. Um uns die Hölle zu ersparen, hat Gott Seinen Sohn an unserer Stelle durch die Hölle gehen lassen. Er hat dafür gesorgt, daß Jesus, obwohl Er der einzige Mensch war, der nie gesündigt hat, als Schwerverbrecher am Kreuz hingerichtet wurde. Und dann hat Gott die Last der Schuld der gesamten Menschheit aller Zeiten und an allen Orten auf Ihn gelegt. Und dann ist Sein Sohn unter unsagbaren körperlichen und vor allem psychischen Qualen gestorben. Aber drei Tage später wieder auferstanden.

Für uns bedeutet das, daß Gott uns nun nicht mehr bestrafen muß. Die Strafe ist bezahlt. Aber das müssen wir für uns persönlich in Anspruch nehmen. Wir müssen den Müll unserer Schuld im übertragenen Sinn bei Jesus abladen, indem wir Ihn bitten, sie uns zu vergeben. Und dann ist sie entsorgt! Ja, wirklich!

Ich werde nie vergessen, daß ich das kaum glauben konnte, als ich es zum ersten Mal begriff. Aber dann tat ich es - und wußte sofort: Ja, das stimmt! Ich erfuhr eine unbeschreibliche Befreiung. Seitdem weiß ich, daß Gott mich angenommen hat und mir ewiges Leben geschenkt hat.

Und ich kann jeden Tag wieder neu meine Schuld bei Ihm abladen. Mich kostet das nichts. Aber Er hat einen unvorstellbar hohen Preis dafür bezahlt. Aus Liebe.

"Denn so sehr hat Gott die Welt (alle Menschen) geliebt, daß Er Seinen einzigen Sohn hergegeben hat, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat" (Johannesevangelium 3, 16).

Samstag, 22. Oktober 2016

"A bit underdressed for the occasion"

Das ist ein typisch britischer Ausdruck, mit dem jemand kritisiert wird, der zu leger gekleidet an einer Veranstaltung teilnimmt oder einer Einladung folgt. Amerikaner, die diesbezüglich etwas lockerer sind, würden das wohl "too casual" nennen (zu salopp).

Daran denke ich in letzter Zeit oft, wenn ich Männer im Fernsehen wahrnehme. Dabei wäre auch noch Manches zu sagen über ungekämmte Haare bzw. die Unsitte, daß auch Herren sich in letzter Zeit manchmal von Friseuren die Haare so zurichten lassen, daß sie aussehen, als wären sie schon lange nicht mehr mit einem Kamm in Berührung gekommen - was Frauen ja schon länger gerne machen.

Aber das nur nebenbei. Früher sah man in der Flimmerkiste z.B. Moderatoren in Anzugjacke, einfarbigem Hemd und dazu passender Krawatte. Das hat mir immer gut gefallen. Dann änderte sich die Mode jedoch dahingehend, daß die Krawatte nicht mehr zum Hemd paßte bzw. zur Anzugjacke oder auch alles sich farblich und bzw. oder mustermäßig biß. Ich bin z.B. so hoffnungslos altmodisch, daß ich finde, braun und schwarz sieht zusammen unmöglich aus. 

Dann kam plötzlich der halbe Krawattenknoten in Mode, so daß das Ding seitdem zwangsläufig immer mehr oder weniger schief hängt (obwohl man teilweise auch schon wieder zum "doppelten Windsor" zurückkehrt). Um das etwas zu mildern, werden die Schlipse seitdem meist dick gefüttert hergestellt. Was bei mir, der ich sie weiter so binde wie eh und je, oft zu einem zu kurzen Kulturstrick führt, denn der soll ja eigentlich bis zum Gürtel reichen - und das trotz des gut gewölbten Bauches!

Aber das war den Modediktatoren immer noch zu formal. Als nächstes wurde die Krawatte einfach ganz weggelassen, und man ließ den obersten Knopf des Hemdes offen. Das sieht immerhin besser aus als ein von Farbe und bzw. oder Muster her nicht passender, schief hängender Schlips. 

Derzeitiger Entwicklungsstand ist, daß jetzt auch der zweite Knopf offen bleibt. Dazu trägt man ein Unterhemd mit rundem, kleinen Kragen, damit der Fernsehzuschauer auch ja sehen kann, daß man ein solches anhat. 

Jetzt kratze ich mich ratlos am Kopf und frage mich, was als Nächstes kommt: Läßt man das Hemd ganz offen und über den Gürtel hängen? 

Ich bin gespannt!

Samstag, 13. Februar 2016

Jeder Schlüssel paßt (nicht)!

Mit diesem Schlüssel wollte ich heute unseren Opel Meriva entriegeln. Aber obwohl die Batterie genügend Spannung hat und es ein Original-Opel-Schlüssel ist, tat sich nichts. Da konnte ich noch so viel auf den "Öffnen"-Knopf drücken.

Dann fiel mir auf, daß dies nicht der Schlüssel für unseren Meriva ist, den meine Frau sonst immer fährt, sondern für meinen Corsa. Das konnte ja nicht funktionieren.

Ja, aber warum denn nicht? Sind nicht letztlich alle Autos gleich? Müßte dann nicht auch jeder Schlüssel zu jedem Fahrzeug passen? Ist es nicht intolerant und anmaßend, zu behaupten, nur meine Frau habe den passenden Schlüssel für ihr Auto? Auf diese Idee würde wohl kein geistig gesunder Mensch kommen.

Wenn es dagegen um religiöse Dinge geht, herrscht genau dieses Denken vor. Alle Religionen beten zu demselben Gott, sagt man. Und deshalb sei auch jede gleichermaßen der richtige Weg zu Ihm. Es sei anmaßend und intolerant, wenn konservative Christen behaupten, nur durch Jesus Christus könne man zu Gott kommen (auch, wenn Er das selbst von sich behauptet hat in Johannes 14, 6). 

Diese Auffassung hat natürlich manches für sich: Sie stößt niemand vor den Kopf, und sie paßt sehr gut zum postmodernen Zeitgeist, der alles gleichermaßen gelten läßt - auch Ansichten, die einander diametral widersprechen. Sie hat aber auch gravierende Nachteile: Erstens ist sie unlogisch und zweitens falsch.

Unlogisch: Sollte ein und derselbe Gott den Christen gesagt haben, Er habe sich abschließend in Seinem Sohn Jesus Christus offenbart (sich bemerkbar gemacht und Seinen Willen kundgetan), den Muslimen jedoch, Er habe gar keinen Sohn, und an dessen Stelle sei Mohammed Sein letzter Prophet? Wie kann man behaupten, z.B. Hindus auf der einen Seite und Juden, Christen und Muslime auf der anderen Seite beteten denselben Gott an, obwohl es im Hinduismus Millionen von Göttern gibt, während die anderen drei Religionen das als Götzendienst ablehnen, den ihr Gott haßt? Und hätte Gott Seinen innig geliebten Sohn einen grausamen Tod am Kreuz sterben lassen, um noch einen hundertneunundzwanzigsten Weg zu Ihm zu schaffen, wenn doch ein einziger reichen würde?

Damit sind wir wieder bei der verriegelten Autotür. Auch, wenn es nicht zum Zeitgeist paßt: Es gibt Fragen, auf die es nur eine einzige richtige Antwort gibt. Ich nenne zusätzlich zum Autoschlüssel noch zwei weitere Beispiele: Ergibt die Gleichung 1 + 1 auch das Ergebnis -29, 359996677 oder 5,877? Kann man einen Zehnerbolzen auch mit einem Dreizehnerschlüssel festziehen?

Jetzt hättest Du von mir sicher gerne einen Beweis für die Richtigkeit meiner Überzeugung, daß ausgerechnet Jesus Christus der einzige Weg zu Gott ist. Den gibt es leider nicht. Aber es gibt empirische (erfahrungsmäßige) Hinweise darauf: Frage mal einen Juden, einen Muslim, einen Hindu, einen Buddhisten usw., ob er die Gewißheit hat, daß Gott ihn aufgrund seiner religiösen Leistungen angenommen hat bzw. annimmt. Wenn sie ehrlich sind, werden sie diese Frage allesamt verneinen müssen.

Wer dagegen darauf vertraut, daß der stellvertretende Opfertod Jesu am Kreuz ihm trotz seiner Unvollkommenheiten den Weg zu Gott geebnet hat, der hat diese Gewißheit. Weil sie nämlich nicht auf den eigenen, zwangsläufig unzulänglichen reiligiösen Leistungen beruht, sondern einzig und allein auf dem, was der sündlose Sohn Gottes für ihn getan hat. Diese Gewißheit ist das Kostbarste, was ich habe, und so gut das Einzige, was mir nichts und niemand nehmen kann. 

Du kannst es auch haben! Es ist ein Geschenk, das Gott allen Menschen anbietet.

Denn so hat Gott der Welt seine Liebe gezeigt: Er gab seinen einzigen Sohn dafür, dass jeder, der an ihn glaubt, nicht ins Verderben geht, sondern ewiges Leben hat.
(Johannesevangelium 3, 16)

Mittwoch, 13. Januar 2016

Vertraute und doch fremde Heimat

Am 6. Oktober 2013 habe ich in diesem Blog einige Gedanken zum Thema "Heimat" festgehalten. Damals schrieb ich u.a.:

Wir leben nun schon seit über fünfundzwanzig Jahren in Bischofsheim bzw. Rüsselsheim, sind aber in Norddeutschland aufgewachsen. Da läge es eigentlich nahe, daß wir dorthin zurückkehren, wenn in wenigen Jahren unser Ruhestand beginnt. Das werden wir aber nicht tun. Wir sind zwar sehr oft umgezogen (zuletzt 2007), haben aber nirgends so lange "am Stück" in einer Gegend gewohnt wie hier im südwestlichen Rhein-Main-Gebiet. Hier haben wir unseren Freundeskreis, und hier fühlen wir uns daheim.

Aber, wie mein Vater immer sagte, soll man nie "nie" sagen. Denn inzwischen wohnen wir doch im Elternhaus meiner Frau in Bremen. Mein Schwiegervater hatte sich das immer gewünscht, und da wir hier mietfrei wohnen, sparen wir viel Geld. Der Vater meiner Frau ist im September vorigen Jahres plötzlich gestorben, und meine Frau hat das Haus geerbt - also haben wir unsere Pläne geändert.

Allerdings fällt uns die Umstellung doch ziemlich schwer, obwohl meine Frau ja hier aufgewachsen ist und mir das Haus und die Stadt Bremen auch durchaus nicht fremd sind. Daß diese Wohnung noch nicht "unsere" ist und wir innerlich auch nach mehreren Wochen noch nicht "angekommen" sind, liegt sicherlich auch daran, daß die meisten unserer Möbel noch in der alten Wohnung in Rüsselsheim stehen, weil hier noch sehr viele Renovierungs- und Änderungsarbeiten durchgeführt wurden und noch werden. Es hängt aber auch damit zusammen, daß einem in unserem Alter Veränderungen schwerer fallen als früher. Wir haben Heimweh nach Hessen! Dabei wurde uns bewußt, daß wir trotz allem nie richtige Hessen waren und wohl auch nie richtige Bremer werden. Wir sind nirgends wirklich zu Hause!

Natürlich werden wir uns hier wohler fühlen, wenn wir erst einmal richtig eingerichtet sind und uns eingelebt haben. Wir hatten ja bisher auch so gut wie keine Zeit, um in dieser Stadt den Kontakt zu Verwandten und alten Freunden wiederaufleben zu lassen. Aber ich fürchte, es wird immer ein Stück Heimatlosigkeit zurückbleiben.

Das ist natürlich einerseits traurig. Aber andererseits ist es sogar gut so. Die meisten Menschen und sogar ein ganz großer Teil der bewußten, engagierten Christen leben nämlich faktisch so, als gäbe es nur das Diesseits. Dabei sagt die Bibel etwas ganz Anderes:

Denn hier auf der Erde haben wir keine Heimat. Unsere Sehnsucht gilt jener künftigen Stadt, zu der wir unterwegs sind (Hebräer 13, 14, Neue Evangelistische Übersetzung).

Diese Sehnsucht spüre ich nur bei ganz wenigen Christen - leider.

Doch wir haben unser Bürgerrecht im Himmel (Philipper 3, 20, Neue Evangelistische Übersetzung).

Christen sind überall auf der Welt Ausländer! Wir sind hier, um einen Auftrag zu erfüllen, aber danach geht es endlich "nach Hause"! Meine gefühlte Heimatlosigkeit erinnert mich an diese Tatsache und hilft mir, mein Leben aus der Perspektive der Ewigkeit zu sehen. Alles Materielle, was uns in dieser Welt so wichtig ist, ist nur provisorisch und wird vergehen. In den Himmel können wir es nicht mitnehmen, und es wäre dort auch nur Müll.

Christen sollten mit beiden Beinen auf dem Boden dieser Erde stehen, aber ihr Herz sollten sie schon in den Himmel vorausschicken.

Woran hängt Dein Herz? Wo bist Du zu Hause?