Dienstag, 23. April 2013

"Englisch lernen ist Quatsch!"

"Thank you very much - Englisch lernen ist Quatsch!" Dieser Spruch kursierte in meiner Schulzeit unter Pennälern. Ich war schon damals vom Gegenteil überzeugt. Mich hat von Anfang an die Möglichkeit fasziniert, mit Menschen in einer Fremdsprache zu kommunizieren. Und da die englische Sprache vergleichsweise leicht zu lernen ist, fiel es mir auch nicht schwer.





Damals, vor nun etwa einem halben Jahrhundert, konnte ja noch niemand ahnen, wie sehr immer mehr angelsächsische Wörter den Alltag von uns Deutschen durchdringen würden. Würde man jemand, der damals gestorben ist, ohne ein englisches Wort gelernt zu haben, heute wieder zum Leben erwecken und ihn durch eine heutige Geschäftsstraße in einer Großstadt schicken, dann käme er aus dem Staunen nicht heraus. Nicht nur, daß er mit den meisten Beschilderungen nichts anfangen könnte - er würde wohl irgendwann fragen, in welches Land wir ihn entführt haben.




Ich zeige Ihnen jetzt insgesamt 18 Beispielfotos. Man könnte meinen, daß die Zusammenstellung dieser Sammlung lange gedauert hat und mich durch verschiedene Städte geführt hat.




Irrtum! Ich habe sie alle heute geschossen, und zwar auf dem Weg vom Frankfurter S-Bahnhof Konstablerwache zu meinem Arbeitsplatz und zurück (ich bitte die teilweise schlechte Bildschärfe zu entschuldigen!) -




und das alles in derselben Straße, der Großen Friedberger Straße, einer Querstraße der Zeil.




Und das auf einer Strecke von ca. einem Kilometer.

MUSS DAS SEIN?




NACHTRAG vom 25.04.2013:
Hier noch neun weitere Beispiele aus dem gleichen kleinen Bereich:










NACHTRAG vom 26.04.2013:
Und hier nochmal vier - macht insgesamt 31!!!











Samstag, 13. April 2013

"Mir geht's gut!"


Sehen Sie sich mal diesen Zweig an. Ich habe ihn vor wenigen Minuten vom Balkon unserer Wohnung aus fotografiert. In wenigen Tagen werden diese Kirschknospen aufbrechen und wunderschön blühen. Sollte man meinen. Das wird aber nicht geschehen. Der Baum ist nämlich total morsch und wird deshalb in den nächsten Tagen gefällt werden müssen. Deshalb sind auch diese knackigen Knospen dem Tod geweiht.

Mich erinnert das an Gespräche mit Menschen über Jesus. Da hatte ich es manchmal mit jungen, gesunden, glücklichen, erfolgreichen Leuten zu tun. Die wollten partout nicht einsehen, wozu sie Jesus brauchen. "Mir geht's gut - was soll ich mit deinem Jesus?" So haben sie es natürlich nicht gesagt, aber darauf lief ihre Reaktion letztlich hinaus. Einmal habe ich etwa Folgendes dazu gesagt: "Wir sprechen uns in zwanzig Jahren wieder, wenn Ihre Beziehung gescheitert ist, Sie beruflich nicht mehr weiterkommen und Ihre Gesundheit auch nicht mehr die beste ist!"

Der verstorbene Bibellehrer und Evangelist Bernhard Rebsch hat es in den Achtzigerjahren einmal ziemlich brutal auf den Punkt gebracht: Wenn jemand vom Dach eines Hochhauses springt, und jemand fragt ihn aus dem Fenster des zehnten Stockwerks nach seinem Ergehen, dann antwortet er: "Noch geht's mir gut!" Dabei weiß er genau, daß er im Bruchteil von den Sekunden auf dem Boden aufschlagen und sterben wird.

Aber genau das wollen Menschen, die meinen, Jesus nicht zu brauchen, meist nicht wahrhaben. Sie tun so, als wären sie unsterblich. Sie reden sich ein, daß nach dem Tod alles aus ist, obwohl sie genau wissen, daß es dafür keine Beweise gibt. Die Bibel sagt es dagegen, wie es ist:

 Jeder Mensch muß einmal sterben und kommt danach vor Gottes Gericht (Hebräer 9, 27, Übersetzung: Hoffnung für alle).

Ja, und dann? Ja, dann braucht man auf einmal nichts und niemand mehr als Jesus. Er bietet ja jedem Menschen an, ihn von der Last seiner Schuld zu befreien. Die Grundlage dieses Angebotes ist Sein stellvertretender Opfertod am Kreuz für die Sünde aller Menschen. Dieses Angebot kann man aber nur so lange annehmen, wie man lebt. Danach ist es zu spät.

Sind Sie immer noch so sicher, daß Sie Jesus nicht brauchen?


NACHTRAG vom 20.04.2013:
Er hat es doch noch geschafft, zu blühen, denn er ist noch nicht gefällt worden. Das ändert aber nichts daran, daß er dem Tod geweiht ist. Es gibt leider auch Menschen, die kerngesund aussehen, aber todkrank sind.



NACHTRAG vom 23.04.2013:
Als ich heute von der Arbeit kam, sah es im Garten so aus:





Was ist Gewalt?

Als ich in den Achtzigerjahren den Gandhi-Film sah (mit dem großartigen Ben Kingsley in der Hauptrolle), wurde mir schlagartig klar, daß seine "Gewaltlosigkeit" in Wirklichkeit keine war. Natürlich hat er niemanden verletzt oder bedroht mit seinen Sitzblockaden und anderen Aktionen, aber er hat doch - natürlich zu Recht - der britischen Kolonialmacht seinen Willen aufgezwungen. Und das ist meines Erachtens auch schon Gewalt.

Deshalb ist auch das Gerede von gewaltloser Erziehung Illusion. Kein Kind wird immer das tun, was die Eltern von ihm wollen, ohne, daß Zwang ausgeübt wird. Und der beginnt nicht mit Schlägen. Liebesentzug, unnötige Demütigungen, Ignorieren, Herunterputzen, tagelanges Schweigen usw. sind Maßnahmen, die viel schlimmer sein können als ein Klaps auf den Po. Und vor allem sind sie ebenso Formen der Gewalt, nur subtiler und von Außenstehenden meist unbemerkt: Blaue Flecken von körperlichen Mißhandlungen sind kaum übersehbar - Verletzungen der zarten, empfindsamen Kinderseelen dagegen schon. Aber als Vater zweier erwachsener Söhne weiß ich aus Erfahrung: Man kann kein Kind erziehen ohne Zwang, und Zwang ist Gewalt.

Damit habe ich schon im Wesentlichen gesagt, was ich unter Gewalt verstehe: Zwang. Gewalt bedeutet, jemandem seinen Willen aufzuzwingen; jemand dazu zu zwingen, etwas zu tun, was er nicht will, oder etwa zu unterlassen, was er tun will. Wobei Gewalt noch intensiver, massiver, direkter und eben oft auch, wenn auch nicht zwangsläufig, körperlich übergriffig ist. Gewalt ist ein grober Eingriff in die persönliche Freiheit des Betroffenen.

Was auch oft übersehen wird, was aber das Beispiel der Kindererziehung zeigt, ist, daß Gewalt nicht immer nur negativ gesehen werden muß. Ohne staatliche Gewalt würde Anarchie herrschen. Ein Autofahrer, der einen Fußgänger auf einem Zebrastreifen gefährdert, weil er ihn fast oder tatsächlich an- oder überfährt, wird u.a. mit einem Jahr Führerscheinentzug bestraft. Und das ist richtig so - sonst wären Fußgänger im Straßenverkehr bald Freiwild.

Samstag, 6. April 2013

Kurioses über das Sterben


Als ich vorhin in meinen digitalisierten Dias von unserer Zeit in Haiti (1983 - 1986) stöberte, sah ich auch wieder dieses Foto. Es zeigt einen toten Haitianer unter einer Kokospalme an der Zufahrt zu dem Haus, in dem wir damals wohnten. Direkt unterhalb davon befindet sich eine Poliklink, in der Kranke ambulant behandelt wurden. Wie wir später erfuhren, hatte dieser - zumindest für haitianische Verhältnisse - sehr alte Mann sich dort behandeln lassen wollen, aber man hatte ihn fortgeschickt mit der Auskunft, man könne ihm leider  nicht mehr helfen. Daraufhin sagte er zu seiner Tochter, die ihn begleitete: "Ich lege mich jetzt da unter die Palme und sterbe." Und genau das tat er. 

Unzählige Menschen bei uns hier würden viel dafür geben, wenn sie das auch könnten. Und bei vielen von ihnen kann ich das sehr gut verstehen. Aber wir können nun einmal nicht so über Leben und Tod verfügen, wie wir es gerne hätten. Dieses Recht behält sich unser Schöpfer vor, der uns das Leben gegeben hat.

"Der liebe Gott hat mich vergessen," sagte mir eine sehr alte, gläubige Frau oft, die nicht verstehen konnte, warum Gott sie noch nicht zu sich nahm. Sie war nicht lebensmüde, sondern einfach lebenssatt. Sie sehnte sich nach der himmlischen Heimat. Sie mußte aber den Zeitpunkt abwarten, den ihr himmlischer Vater für sie vorgesehen hatte. Inzwischen hat sie ihn längst erreicht.

Ich kann auch gut Menschen verstehen, die sterben möchten, weil ihr Leben fast nur noch aus Schmerzen besteht. Aber die Erfahrung zeigt: Wenn sie gut palliativ versorgt werden, sprich: wenn sie dank guter Schmerzmittel wieder Lebensqualität haben, dann ist das in der Regel kein Thema mehr für sie. 

Daß Menschen selbst frei bestimmen wollen, wann ihr Leben zuende ist, das ist letztlich auch eine Form der Auflehnung gegen Gott. So ein Gedanke wäre noch vor hundert bis zweihundert Jahren wohl niemandem gekommen. Mir steht durch meinen Beruf sehr deutlich vor Augen, daß die letzte Phase des irdischen Lebens sehr belastend sein kann. Aber ich baue auf Gottes Verheißung:

Selbst wenn ich durch die finstere Schlucht muss,  überfällt mich keine Angst, denn du bist bei mir. (Psalm 23, 4, Neue Evangelistische Übersetzung)

Dieser mein Guter Hirte hat mich schon durch so manche finstere Schlucht geführt - warum sollte Er mich ausgerechnet in der letzten im Stich lassen?

Montag, 1. April 2013

Kè sansib

Diese Überschrift verstehen Sie wahrscheinlich nicht. Es sei denn, Sie sind Haitianer oder haben, wie ich, die eigentliche Landessprache Haitis, Kreolisch gelernt. Sie ist nicht gerade dazu geeignet, komplizierte Sachverhalte präzise auszudrücken, wie die französische Sprache. Aber sie ist wunderbar anschaulich, wenn es um Gefühle geht. Den Ausdruck "kè sansib" benutzt die kreolische Bibel für das Wort "Barmherzigkeit". Er bedeutet "empfindsames Herz". Also nicht oberflächliches, oft herablassendes Mitleid, das ohne Folgen bleibt. Sondern die Fähigkeit und Bereitschaft, das Leiden Anderer zu verstehen, nachzuempfinden und sich zueigenzumachen. Und daraus die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.

Heute vormittag habe ich eine Andacht über den Wochenspruch für die nächste Woche geschrieben, und dabei habe ich diesen Ausdruck wieder in der haitianischen Bibel gelesen. Ich zitiere ihn hier nach einer modernen deutschen Übersetzung:

Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns wiedergeboren und uns mit einer lebendigen Hoffnung erfüllt (1. Petrus 1, 3).

Hier die kreolische Version (es ist, glaube ich, noch die alte Rechtschreibung - die neue kann ich kaum lesen, geschweige denn verstehen):

Ann fè lwanj Bondye, Papa Jezikri, Seyè nou an. Paske, nan kè sansib li, li ban nou lavi ankò.

Mir scheint die Übersetzung "Barmherzigkeit" zu schwach und zu wenig emotional zu sein. Barmherzigkeit kann bedeuten, daß ich eine Not erkenne und beschließe, etwas dagegen zu tun, weil es eben im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig ist und getan werden muß. Aber es berührt mein Herz nicht. Wenn ich dagegen ein "kè sansib" habe, dann wühlt die Not mich innerlich auf, und ich leide mit den Leidenden mit. 

Übrigens: Wenn  in unserer Bibel in den Evangelien über Jesus gesagt wird, daß Ihm etwas durchs Herz ging, dann steht da in der haitianischen Bibel "kè li fè-l mal" - das Herz tat Ihm weh. Jesus nachfolgen bedeutet unter anderem, Ihm ähnlicher zu werden - auch in dieser Hinsicht. Deshalb sagt Paulus:

Freut euch mit denen, die sich freuen; weint mit denen, die weinen (Römer 12, 15).

Kannst Du das? Früher konnte ich es absolut nicht. Ich habe jahrelang um diese Fähigkeit gebetet. Als ich dann zum ersten Mal über das Leid anderer Menschen weinte, da hatte ich vorher selbst Schweres durchgemacht. Deshalb warne ich Dich vor diesem Gebet, denn seine Erhörung kann uns einen hohen Preis kosten. Aber den ist es wert. Selbst wohlmeinende Worte können einen leidenden und bzw. oder trauernden Menschen verletzen. Wie wohltuend ist es, wenn wir statt dessen schweigend mit ihm weinen!

Ein kleiner Junge sah, wie sein Nachbar, ein alter Mann, in seinem Hof saß und weinte. Von den Eltern erfuhr er, daß der gerade kürzlich seine Frau verloren hatte. Da ging der Junge zu ihm hinüber, setzte sich auf seinen Schoß und kam nach einer Weile wieder zurück. Gefragt, was er da drüben gemacht habe, sagte er: "Ich habe dem Mann weinen geholfen." Der Junge hatte, was den meisten Erwachsenen fehlt: ein kè sansib.