Samstag, 6. April 2013

Kurioses über das Sterben


Als ich vorhin in meinen digitalisierten Dias von unserer Zeit in Haiti (1983 - 1986) stöberte, sah ich auch wieder dieses Foto. Es zeigt einen toten Haitianer unter einer Kokospalme an der Zufahrt zu dem Haus, in dem wir damals wohnten. Direkt unterhalb davon befindet sich eine Poliklink, in der Kranke ambulant behandelt wurden. Wie wir später erfuhren, hatte dieser - zumindest für haitianische Verhältnisse - sehr alte Mann sich dort behandeln lassen wollen, aber man hatte ihn fortgeschickt mit der Auskunft, man könne ihm leider  nicht mehr helfen. Daraufhin sagte er zu seiner Tochter, die ihn begleitete: "Ich lege mich jetzt da unter die Palme und sterbe." Und genau das tat er. 

Unzählige Menschen bei uns hier würden viel dafür geben, wenn sie das auch könnten. Und bei vielen von ihnen kann ich das sehr gut verstehen. Aber wir können nun einmal nicht so über Leben und Tod verfügen, wie wir es gerne hätten. Dieses Recht behält sich unser Schöpfer vor, der uns das Leben gegeben hat.

"Der liebe Gott hat mich vergessen," sagte mir eine sehr alte, gläubige Frau oft, die nicht verstehen konnte, warum Gott sie noch nicht zu sich nahm. Sie war nicht lebensmüde, sondern einfach lebenssatt. Sie sehnte sich nach der himmlischen Heimat. Sie mußte aber den Zeitpunkt abwarten, den ihr himmlischer Vater für sie vorgesehen hatte. Inzwischen hat sie ihn längst erreicht.

Ich kann auch gut Menschen verstehen, die sterben möchten, weil ihr Leben fast nur noch aus Schmerzen besteht. Aber die Erfahrung zeigt: Wenn sie gut palliativ versorgt werden, sprich: wenn sie dank guter Schmerzmittel wieder Lebensqualität haben, dann ist das in der Regel kein Thema mehr für sie. 

Daß Menschen selbst frei bestimmen wollen, wann ihr Leben zuende ist, das ist letztlich auch eine Form der Auflehnung gegen Gott. So ein Gedanke wäre noch vor hundert bis zweihundert Jahren wohl niemandem gekommen. Mir steht durch meinen Beruf sehr deutlich vor Augen, daß die letzte Phase des irdischen Lebens sehr belastend sein kann. Aber ich baue auf Gottes Verheißung:

Selbst wenn ich durch die finstere Schlucht muss,  überfällt mich keine Angst, denn du bist bei mir. (Psalm 23, 4, Neue Evangelistische Übersetzung)

Dieser mein Guter Hirte hat mich schon durch so manche finstere Schlucht geführt - warum sollte Er mich ausgerechnet in der letzten im Stich lassen?

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