Dienstag, 28. Mai 2013

Sommerschlußverkauf im Mai


Dieses Foto stammt nicht etwa aus dem Frühherbst 2012, sondern von heute um kurz nach 13 Uhr aus der Großen Friedberger Straße in Frankfurt/Main. 

Ja, ich habe auch nicht schlecht gestaunt, als ich heute morgen dieses Schild sah. Aber dann habe ich eingesehen, daß diese Aktion nur folgerichtig ist: Wenn es im September bereits Spekulatius zu kaufen gibt, dann ist es doch Ende Mai allerhöchste Zeit für den Sommerschlußverkauf. Wir spinnen doch, wir Deutschen!

Mittwoch, 15. Mai 2013

Der Einwegrasierer im Gleisbett


Seit einigen Monaten habe ich fast immer eine kleine Digitalcamera dabei, wenn ich das Haus verlasse. Das hat mir den Blick geschärft für interessante optische Wahrnehmungen, die in das Bewußtsein der meisten Menschen wohl gar nicht eindringen. So ist mir natürlich auch an dem Bahnsteig, an dem ich morgens auf die S-Bahn nach Frankfurt warte, dieser Einwegrasierer im Gleisbett aufgefallen. 

"Der EInwegrasierer im Gleisbett" - wäre das nicht ein interessanter Titel für einen Roman? Na super - fehlt mir nur noch der passende Roman dazu. Man könnte ja mal seine Fantasie strapazieren und sich eine Geschichte ausdenken, wie das Ding da hingekommen ist. Nun schreibe ich zwar sehr gerne und habe auch schon mehrere Bücher veröffentlicht, aber das waren alles Sachbücher. Die Belletristik liegt mir nicht.

Schade, daß das weggeworfene blaue Ding dort zwischen den Schienensträngen am Rüsselsheimer Bahnhof uns nicht erzählen kann, wer es dort hingeworfen hat, wann und warum.

Kommst Du Dir auch manchmal so fehl am Platz vor wie dieser Naßrasierer? So nutzlos? Wenn Du Dir diesen Platz selbst ausgesucht hast, ohne nach Gottes Willen zu fragen, dann ist dieses Gefühl sicher mehr als berechtigt. Dann solltest Du schleunigst mit Deinem Schöpfer Kontakt aufnehmen und Ihn bitten, Dir den richtigen Ort zuzuweisen.

Aber dieses Gefühl kann man auch haben, wenn man versucht, sich von Gott führen zu lassen. Mir ist es jahrelang so gegangen, als mir der Gemeindedienst unmöglich gemacht wurde und ich zwei Jahre lang arbeitslos war, und das ohne jede Zukunftsperspektive. Da lag ich dann - schwer depressiv - genauso nutzlos und deplaziert herum wie der Einwegrasierer im Gleisbett.

Bis dann endlich Gott plötzlich eingriff. Er zeigte mir Fähigkeiten und Neigungen, die ich bei mir bis dahin kaum oder gar nicht bemerkt hatte, und stellte mich in einen ganz anderen Beruf* hinein. Darin liegen nun auch wieder Gaben brach, die ich früher einsetzen konnte. Aber dafür bekomme ich um ein Vielfaches mehr Anerkennung und Dankbarkeit als in meinem Gemeindedienst, so daß ich - trotz der sehr schlechten Bezahlung - auf keinen Fall mehr Pastor sein möchte.

Wenn es Dir ähnlich geht, dann wünsche ich Dir, daß Gott auch Deine "Einwegrasierer-im-Gleisbett-Zeit" bald beendet und Dir neue Zukunftsperspektiven aufzeigt.

* Seit fast einem Dreivierteljahr arbeite ich als "Fachkraft Betreuung" für Demenzkranke in einem Frankfurter Alten- und Pflegeheim.

Mittwoch, 8. Mai 2013

Der fromme Fröhlichkeitswahn

"Immer fröhlich, immer fröhlich,
alle Tage Sonnenschein.
Voller Schönheit ist der Weg des Lebens,
fröhlich laßt uns immer sein!"

Dieses Lied mochte ich schon als Kind nicht, wenn wir es im Kindergottesdienst (bei uns nannte man das "Sonntagsschule", was es für mich nicht gerade attraktiv machte - die Schule in der Woche war schon schlimm genug!). Ich sah schon damals keinen Grund dafür, immer fröhlich zu sein. Und daß alle Tage Sonnenschein sein sollte, war und ist natürlich Quatsch - sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinn.

Vor einigen Jahren las ich dann die Biografie von Uwe Holmer (Der Mann, bei dem Honecker wohnte), und war auch recht angetan davon. Genervt hat mich nur, daß er darin immer wieder vom "fröhlichen Christsein" spricht. Häh? Ist Dauerfröhlichkeit etwa ein Echtheitsmerkmal der Nachfolge Jesu?

Und dann las ich kürzlich beim christlichen Medienmagazin "pro" folgenden Satz des Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener:

„Unser Land braucht definitiv mehr echtes, einladendes, fröhlich gelebtes und dankbar vertretenes Christentum." (Hervorhebung von mir)

Ich habe nichts gegen diese beiden Männer Gottes. Ich kritisiere nicht sie als Personen, aber umso mehr den frommen Fröhlichkeitswahn, den sie propagieren. 

Ja, ich weiß, was sie meinen: Sie distanzieren sich völlig zu Recht von einer sauertöpfischen und moralinsauren, gesetzlichen Karikatur des Christseins, das sich nur über das definiert, was ein Christ nicht darf. Das liegt mir auch sehr am Herzen. Aber was setzt man dem nun entgegen? Ausgerechnet Fröhlichkeit!

Verstehen Sie mich nicht falsch: Wer mich kennt, attestiert mir in der Regel eine Menge Humor. Ich lache sehr gerne. Aber Fröhlichkeit als Dauerzustand ist krankhaft! Wer immer nur fröhlich ist, der ist entweder unglaublich oberflächlich oder ständig im Alkohol- oder Drogenrausch oder schwachsinnig. Und das soll das Echtheitsmerkmal des Christseins sein? Geht's noch?

Auf Jesus können sich die Vertreter dieser Ansicht jedenfalls nicht berufen. War Er etwa fröhlich, als Er die Geldwechsler und Händler aus dem Tempel geworfen hat?  Hat Er etwa gekichert, als Er am Kreuz hing? Entschuldigen Sie bitte, daß ich so drastisch werde!

Hier ein paar Beispiele für ganz andere Gemütsverfassungen des Sohnes Gottes:
  • Und er sah sie ringsum an mit Zorn und war betrübt über ihr verstocktes Herz (Markus 3, 5)
  • Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig (Markus 10, 14)
  • Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, ergrimmte er im Geist und wurde sehr betrübt und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh es!  Und Jesus gingen die Augen über.(Johannes 11, 33 - 35)
  • Jetzt ist meine Seele betrübt. (Johannes 12, 27)
  • Als Jesus das gesagt hatte, wurde er betrübt im Geist (Johannes 13, 21)
  • Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod (Matthäus 26, 37 - 38)
Wir leben in einer gefallenen Welt. Über sie sagt der Apostel Paulus:

Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. (Römer 8, 22)

Moment mal - "mit uns"? Nein, wir seufzen und ängstigen uns nicht - wir sind ja schließlich Christen, die immer fröhlich sind! (Ironiemodus aus) Was wäre denn das für ein lausiges, abstoßendes Zeugnis, wenn wir als Fromme angesichts des unzähligen unschuldigen Leidens in dieser Welt stets in heiterer Hochstimmung wären?

Auch der Apostel Paulus zeichnet ein ganz anderes Bild des Christseins:
  • Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. (Römer 12, 15)
  • Denn wir wollen euch, liebe Brüder, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist, wo wir über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft, sodass wir auch am Leben verzagten (2. Korinther 1, 8)
  • Ich hatte aber dies bei mir beschlossen, dass ich nicht abermals in Traurigkeit zu euch käme. (2. Korinther 2, 1)
Hallo Paulus! "Immer fröhlich ist der Weg des Lebens" - weißt Du das denn nicht?


Aber was ist mit folgenden Bibelstellen? Fordern sie nicht eindeutig und unmißverständlich von uns Fröhlichkeit als Dauerzustand?
  • Seid fröhlich in Hoffnung … (Römer 12, 12)
  •    … als die Traurigen, aber allezeit fröhlich … (2. Korinther 6, 10)
  • Seid allezeit fröhlich (1. Thessalonicher 5, 16)
Ja, aber nur in der Luther-Übersetzung, die ich sonst sehr schätze. Sie ist an diesen Stellen – mit Verlaub! – schlicht falsch.  Im Grundtext steht da nämlich kein Adjektiv (Eigenschaftswort), sondern ein Verb (Tätigkeitswort). Und dessen Grundbedeutung ist nicht „fröhlich sein“, sondern „sich freuen“ . Und das ist ein fast himmelweiter Unterschied. Fröhlichkeit und Freude verhalten sich zueinander etwa wie ein loderndes Feuer und eine heiße Glut. Die Flammen sind hell, heiß und unübersehbar, aber sie fallen bald wieder in sich zusammen. Übrig bleibt die Glut, die nicht so hell und imposant ist, aber auch sehr heiß und vor allem ausdauernd. Sie läßt sich auch viel schwerer löschen als Flammen. Will sagen: Fröhlichkeit ist ein wunderbares Hochgefühl, das man genießen soll. Aber es hört bald wieder auf und weicht dem emotionalen Normalzustand. Und zu dem gehört für uns Christen die Freude. Das ist ein Gemisch aus großer Dankbarkeit, tiefem inneren Frieden und dem frohmachenden Wissen um die Geborgenheit in der starken Hand unseres liebenden und treuen himmlischen Vaters. Fröhlichkeit braucht immer einen konkreten, aktuellen Anlaß, Freude jedoch nicht. Fröhlichkeit ist abhängig von der Situation, Freude ist es nicht. Deshalb können wir uns immer freuen, aber beleibe nicht immer fröhlich sein.

Fröhlichkeit als Dauerzustand ist also eine mindestens genauso schlimme Karikatur des Christseins wie die gegenteiligen Auswüchse, von denen man sich auf diese Weise abheben will. Wenn das immer mehr zum Maßstab erhoben wird, dann wird der Tag kommen, an dem ich mich offiziell vom Christsein distanzieren muß.



Samstag, 4. Mai 2013

Gut, daß es die Müllabfuhr gibt!


Jeder Mensch produziert regelmäßig Müll und ist darauf angewiesen, daß der entsorgt wird. Deshalb stellen wir jede Woche zu den uns vorgegebenen Terminen die entsprechenden vollen Behälter und bzw. oder Säcke an die Straße, damit sie abgeholt werden. Wäre das nicht so, dann hätten wir bald massive Probleme! Das wird wohl niemand bestreiten.

Aber wenn man Menschen auf das Problem des moralischen Mülls anspricht, den die Bibel "Schuld" bzw. "Sünde" nennt, dann reagieren sie meist ganz anders. Entweder sie bestreiten seine Existenz, jedenfalls in ihrem Bereich. Oder sie laden diesen Müll, bildlich gesprochen, im Garten des Nachbarn ab, indem sie ihn Anderen in die Schuhe schieben, die ihn angeblich produziert haben. Oder sie behaupten, der Misthaufen in ihrem Hinterhof sei ja noch ziemlich unscheinbar im Vergleich zu dem anderer Leute. 

Ich verstehe diese Reaktionen nicht. Als Christen sprechen wir dieses Problem ja nicht an, um unsere Zeitgenossen bloßzustellen oder um den moralischen Zeigefinger zu erheben. Wir sind ja auch nicht besser als sie. Sondern es geht darum, daß wir sie mit den Angebot der geistlichen Müllabfuhr bekanntmachen wollen, das sie noch dazu keinen Cent kostet. Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat am Kreuz das Problem unseres Mülls ein für allemal gelöst, indem Er durch Seinen Tod an unserer Stelle den Preis gezahlt für die Entsorgung des Mists, den wir täglich produzieren. Und jetzt macht Er uns dieses tolle Angebot:

Wenn wir behaupten, ohne Schuld zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit. Doch wenn wir unsere Sünden bekennen, zeigt Gott sich treu und gerecht: Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.(1. Johannesbrief, Kapitel 1, Verse 8 und 9)

Wenn Sie im Bild der Müllabfuhr bleiben wollen, dann ersetzen Sie die Begriffe "Schuld" und "Sünde" mit "Müll". Aber seien Sie nicht so dumm, den Kopf in den Sand zu stecken vor dem Problem des moralischen bzw. geistlichen Mülls. Und nehmen Sie dieses tolle Angebot an, wenn Sie es noch nicht getan haben!