Mittwoch, 15. Mai 2013

Der Einwegrasierer im Gleisbett


Seit einigen Monaten habe ich fast immer eine kleine Digitalcamera dabei, wenn ich das Haus verlasse. Das hat mir den Blick geschärft für interessante optische Wahrnehmungen, die in das Bewußtsein der meisten Menschen wohl gar nicht eindringen. So ist mir natürlich auch an dem Bahnsteig, an dem ich morgens auf die S-Bahn nach Frankfurt warte, dieser Einwegrasierer im Gleisbett aufgefallen. 

"Der EInwegrasierer im Gleisbett" - wäre das nicht ein interessanter Titel für einen Roman? Na super - fehlt mir nur noch der passende Roman dazu. Man könnte ja mal seine Fantasie strapazieren und sich eine Geschichte ausdenken, wie das Ding da hingekommen ist. Nun schreibe ich zwar sehr gerne und habe auch schon mehrere Bücher veröffentlicht, aber das waren alles Sachbücher. Die Belletristik liegt mir nicht.

Schade, daß das weggeworfene blaue Ding dort zwischen den Schienensträngen am Rüsselsheimer Bahnhof uns nicht erzählen kann, wer es dort hingeworfen hat, wann und warum.

Kommst Du Dir auch manchmal so fehl am Platz vor wie dieser Naßrasierer? So nutzlos? Wenn Du Dir diesen Platz selbst ausgesucht hast, ohne nach Gottes Willen zu fragen, dann ist dieses Gefühl sicher mehr als berechtigt. Dann solltest Du schleunigst mit Deinem Schöpfer Kontakt aufnehmen und Ihn bitten, Dir den richtigen Ort zuzuweisen.

Aber dieses Gefühl kann man auch haben, wenn man versucht, sich von Gott führen zu lassen. Mir ist es jahrelang so gegangen, als mir der Gemeindedienst unmöglich gemacht wurde und ich zwei Jahre lang arbeitslos war, und das ohne jede Zukunftsperspektive. Da lag ich dann - schwer depressiv - genauso nutzlos und deplaziert herum wie der Einwegrasierer im Gleisbett.

Bis dann endlich Gott plötzlich eingriff. Er zeigte mir Fähigkeiten und Neigungen, die ich bei mir bis dahin kaum oder gar nicht bemerkt hatte, und stellte mich in einen ganz anderen Beruf* hinein. Darin liegen nun auch wieder Gaben brach, die ich früher einsetzen konnte. Aber dafür bekomme ich um ein Vielfaches mehr Anerkennung und Dankbarkeit als in meinem Gemeindedienst, so daß ich - trotz der sehr schlechten Bezahlung - auf keinen Fall mehr Pastor sein möchte.

Wenn es Dir ähnlich geht, dann wünsche ich Dir, daß Gott auch Deine "Einwegrasierer-im-Gleisbett-Zeit" bald beendet und Dir neue Zukunftsperspektiven aufzeigt.

* Seit fast einem Dreivierteljahr arbeite ich als "Fachkraft Betreuung" für Demenzkranke in einem Frankfurter Alten- und Pflegeheim.

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