Sonntag, 23. Juni 2013

Nachtrag zum Thema "sich entschuldigen"

Diesen Ausdruck gibt es auch im Französischen: "Je m'excuse" - ich entschuldige mich. Angelsachsen sagen "I apologize" und meinen damit dasselbe. Auch für sie bedeutet das, daß die Sache damit erledigt ist. Wobei der englische Ausdruck von seiner Etymologie (Entstehungsgeschichte) her eigentlich das genaue Gegenteil bedeutet; es kommt vom griechischen apologeoo = etwas rechtfertigen oder sogar bestreiten; wobei es auch schon unter anderem die Bedeutung "sich entschuldigen" hat. Aber in Gestalt des Begriffs "Apologetik" haben wir es immer noch mit Verteidigung und Rechtfertigung zu tun.

Gerade Briten benutzen oft eine sehr passende Redewendung: "I beg your pardon". Er bedeutet wörtlich: "Ich bettele Sie um Ihre Verzeihung an". Den benutzen sie aber leider ziemlich inflationär, z.B., wenn sie etwas akustisch nicht verstanden haben. Wir würden dann "Wie bitte?" sagen. Vor allem die höflichen Briten sagen dann "pardon?" oder eben sogar "I beg your pardon". Und so verliert diese schöne Ausdrucksweise ihre eigentliche Bedeutung und somit ihren Wert.

Sprache ist verräterisch. An dieser Stelle läßt sie auf die dahinter steckende Denkweise schließen. Es ist typisch menschlich, die eigene Schuld zu leugnen oder, wenn das nicht (mehr) möglich ist, sie zu verharmlosen oder gar zu rechtfertigen. Das sehen wir schon im dritten Kapitel des Buches 1. Mose im Verhalten der ersten Menschen, als Gott sie auf ihre erste Sünde anspricht. Adam schiebt die Schuld auf Eva bzw. indirekt sogar auf Gott (was für eine Ungeheuerlichkeit!!!) und Eva macht die Schlange dafür verantwortlich. Die hat nun den Schwarzen Peter und niemanden, dem sie ihn unter die Weste jubeln kann.

Wir sehen dieses Verhalten auch heute bei Politikern und anderen Prominenten, die sich schuldig gemacht haben und dies zunächst vehement und empört bestreiten. Erst, wenn man es ihnen nachweisen kann, geben sie es scheibchenweise zu, verharmlosen und bzw. oder rechtfertigen es dann aber meist. Aktuelles Beispiel ist der Radrennfahrer Jan Ullrich, der kürzlich zugegeben hat, Blutdoping praktiziert zu haben. Gleichzeitig wies er aber darauf hin, daß das alle so gemacht hätten; er habe sich nur deshalb so verhalten, weil er Chancengleichheit wiederherstellen wollte.

Es gehört schon eine Menge Hintern in der Hose - pardon: menschliche oder bzw. und geistliche Reife und Stärke - dazu, seine Schuld in vollem Umfang einzuräumen und glaubhaft zu versichern, daß man sie bereut, und auf jede Rechtfertigung oder Verharmlosung zu verzichten. Alles andere ist im Grunde kindisch und lächerlich. Nur auf dieser Grundlage kann man um Verzeihung bitten und darauf hoffen, daß sie einem gewährt wird.

Schon in der Bibel steht:
"Wer seine Sünde leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen." (Sprüche 28, 13, Luther-Übersetzung)

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