Samstag, 6. Dezember 2014

Die ganz normale Schizophrenie

Wir alle kennen sie, die rücksichtslosen Autofahrer, die einem auf der linken Spur der Autobahn fast in den Kofferraum kriechen, obwohl vor uns die Spur auch nicht frei ist.

Daran wurde ich vorhin erinnert, als ich wieder einmal ein höchst seltsames Verhalten beobachtete, das man fast ständig und fast überall an Supermarktkassen sehen kann: Der Kunde, der direkt hinter demjenigen steht, der gerade bedient wird, bleibt mit seinem Einkaufswagen respektvoll einen bis zwei Meter zurück. Das bewirkt, daß der hintere Teil des Laufbandes nicht mit Waren belegt werden kann, weil die betreffenden Kunden es gar nicht erreichen können.

Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Nun, die erstere Verhaltensweise betrifft glücklicherweise nicht die Mehrheit der Autofahrer, Letztere aber nach meiner Beobachtung fast alle Kunden. Das bedeutet doch wohl: Die gleichen Leute, die auf der Autobahn auf den lebensnotwendigen Abstand pfeifen, empfinden an der Supermarktkasse plötzlich das Bedürfnis nach ein bis zwei Meter "Luft" zum Vordermann (für meine feministisch geprägten LeserInnen: oder zur Vorderfrau). Ist das nicht schizophren?

Ich kann mir das nur so zu erklären versuchen: Menschen, die normalerweise friedlich und respektvoll miteinander umgehen, werden am Steuer auf der Autobahn plötzlich zu Bestien. Da lassen sie den Frust und die Aggressionen ab, die sich im Alltag aufgebaut haben. Aber das ist lebensgefährlich!



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