Freitag, 2. Januar 2015

Akzeptanz ist viel mehr als Toleranz - eine Auslegung der Jahreslosung für 2015



Darum nehmt einander an, wie auch der Messias euch angenommen hat, zur Ehre Gottes.
Römer 15, 7


Es ist meines Erachtens unmöglich, den Gedanken des Grundtextes der Jahreslosung für 2015 genau zu übersetzen, ohne, daß es mißverständlich wird. Es geht darum, jemand in einer Gruppe Menschen oder in seinem Zuhause willkommen zu heißen. Wenn man das, wie die Revidierte Elberfelder Bibel, mit unserem Wort „aufnehmen“ übersetzt, entsteht beim Leser jedoch automatisch die Vorstellung der Gastfreundschaft. Aber das ist nur ein kleiner Teil dessen, was Paulus hier meint. Meine Übersetzung „annehmen“ ist dagegen eigentlich zu schwach.

Aber ich glaube, Du verstehst jetzt schon, worum es geht: Daß wir als Gläubige mit einer positiven, liebevollen, bejahenden Einstellung aufeinander zugehen. Das ist viel mehr als das, was wir heute oft mit dem Begriff „einander stehen lassen“ ausdrücken. Der meint, daß wir Andersdenkende nicht bekämpfen, und daß wir zwischen Person und Sache trennen. Das ist schon mal viel wert und wird leider unter den Frommen oft zu wenig praktiziert.

Aber das reicht bei weitem nicht. Mit dem „Stehenlassen“ ist eine gewisse Gleichgültigkeit dem Anderen gegenüber verbunden. Ich wende mich von ihm ab, anstatt mich weiter mit ihm zu beschäftigen. Er soll denken und machen, was er will – ich werde ihn nicht daran hindern, weil ich tolerant bin. Toleranz ist ja so ein Modewort heute. Aber es kommt vom lateinischen Verb (Tätigkeitswort) tolerare = dulden. Ich will jetzt gar nicht groß darauf eingehen, daß die Diktatur der Toleranz uns heute fast nicht mehr erlaubt, irgend eine Perversion als solche abzulehnen. Ich möchte statt dessen auf ihren passiven Charakter hinweisen. Was unsere Jahreslosung dagegen von uns verlangt, ist ein aktives, bewußtes Zugehen auf den anderen; es ist eine bedingungslose Annahme.
Das ist es, was Außenstehende oft an lebendigen Gemeinden so anziehend empfinden: daß sie dort nicht quasi wie Störenfriede behandelt werden, sondern ehrlich willkommen geheißen werden. Und zwar um ihrer selbst willen und ohne Vorbedingungen. Genau das fehlt aber leider auch in manchen Gemeinden.

Die Bibel verlangt von uns, daß wir einander bejahen, respektieren und wertschätzen. Der Bruder, der eine andere Partei wählt als ich, die Schwester, deren Frömmigkeit mir fremd ist, die Glaubensgeschwister, die in gewissen theologischen Fragen anders denken als ich, dürfen für mich nicht weniger wertvoll und liebenswert sein als diejenigen, die die gleiche Wellenlänge haben wie ich.

Wir können so aufeinander zu- und miteinander umgehen, weil der Herr Jesus es an jedem von uns vorexerziert hat. Wir waren Ihm alles andere als sympathisch mit unseren Sünden. Und doch hat Er uns auf- und angenommen und uns zu Seinen Kindern gemacht. Die Unterschiede zwischen Ihm und uns sind um ein Vielfaches größer als die zwischen uns Menschen. Jetzt sind wir dran!

Paulus nennt uns noch eine zweite Motivation dafür: Gottes Ehre. Zerstrittene, gespaltene, lieblose Gemeinden sind eine Schande für Ihn und Negativreklame für das Evangelium. Dagegen sind Gemeinden, die unser Bibelwort praktizieren, ein schönes und anziehendes Zeugnis für unseren wunderbaren Gott.

Ist Deine Gemeinde ein solches positives Zeugnis? Wenn ja, dann danke Gott dafür und setze Dich dafür ein, daß es so bleibt. Wenn nicht, dann warte nicht darauf, daß sie sich positiv verändert. Fang Du selbst damit an, so auf Deine Glaubensgeschwister zuzugehen. Gut möglich, daß Du damit eine Lawine der Liebe ins Rollen bringst!

Kommentare:

  1. Schade, du hast nur zwei follower bei G+ , deshalb wird auf dieser G+ Plattform deinem Beitrag nicht viel Beachtung geschenkt. Aber ev. bei anderen Netzwerken.
    Eine gute Auslegung!
    Ich erlaube mir lediglich den Hinweis, bzw. werfe die Frage auf: "Kinder des Herrn Jesu", stimmt das? Gerne erwarte ich deine Antwort.

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  2. Was meinst Du mit der Frage "Kinder des Herrn Jesu"?

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