Donnerstag, 14. Mai 2015

"Ich glaube nur, was ich sehe"

Diesen Satz habe ich schon des öfteren als Einwand gegen den christlichen Glauben gehört. Aber das läßt sich leicht, wenn auch ziemlich unhöflich, ad absurdum führen, indem man antwortet: "Dann zeigen Sie mir bitte mal Ihren Verstand."

Ernsthaft: Es ist eine bekannte Tatsache, daß man keinen unserer fünf Sinne so leicht in die Irre führen kann wie das Sehen. Man braucht nur mal nach dem Stichwort "optische Täuschungen" zu googlen, dann findet man jede Menge Beispiele dafür.

Darüber hinaus sehe ich seit ein paar Wochen ständig Dinge, die es nicht gibt. Nein, keine Sorge, ich habe keine Halluzinationen. Es handelt sich um Sehstörungen: Auf beiden Augen huschen ständig schwarze Gebilde wie kleine Haarbüschel durch mein Gesichtsfeld, wenn ich die Pupillen bewege. Man nennt das "mouches volantes" (französisch: "fliegende Fliegen"). Das hängt mit dem Glaskörper der Augen zusammen, und das werde ich wohl auch nicht mehr los. Aber ich bin dabei, mich daran zu gewöhnen. Jedenfalls führt mir das noch anschaulicher buchstäblich vor Augen, wie wenig ich mich auf das verlassen kann, was ich sehe.

Dabei bin ich ja noch sehr gut dran. Gestern habe ich eine blinde Frau im Rollstuhl zum Arzt gebracht. Sie hat mir buchstäblich blind vertraut, daß ich sie dorthin fahre und nicht womöglich ganz woanders hin. Dabei kannte sie mich noch gar nicht. Na gut, was blieb ihr auch anderes übrig mangels Alternativen?

Wir sind aber auch in anderen Situationen bereit, uns Menschen anvertrauen, obwohl wir schon oft von Mitmenschen getäuscht, betrogen und ausgenutzt worden sind. Wenn ich in ein Taxi steige und dem Fahrer sage, wohin er mich kutschieren soll, kann ich ihn kaum daran hindern, mich an einen ganz anderen Ort zu bringen. Ich muß ihm einfach vertrauen und habe das auch schon oft getan.

Warum fällt es dann so vielen Menschen so schwer, sich dem allmächtigen, allwissenden und allgegenwärtigen Gott anzuvertrauen, von dem die Bibel sagt, daß Er die Liebe in Person ist? Und der Seine Liebe zu uns bewiesen hat, indem Er Seinen einzigen und geliebten Sohn für unsere Schuld hat am Kreuz sterben lassen?
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen