Sonntag, 21. Juni 2015

"Mach's wie die Sonnenuhr ..."

" ... zähl die schönen Stunden nur!"

Neulich machte ich zusammen mit Kolleginnen und einigen Bewohnern unseres Seniorenheims einen Spaziergang im nahen Park. Dabei kamen wir zu einer Sonnenuhr, und natürlich fiel uns sofort dieser Spruch ein, den man oft an Sonnenuhren findet. 

Das scheint ein weiser Rat zu sein. Wenn man immer nur an das Schwere denkt, das man hat durchmachen müssen, dann wird man (und dieses Wortspiel ist durchaus beabsichtigt) leicht schwermütig. Andererseits sollte man diese Zeiten aber nicht nur negativ sehen. Wer sich als bewußter Christ in Gottes Hand und von Ihm geführt weiß, dem ist klar, daß Gott keine Fehler macht und genau weiß, warum Er uns auch dunkle Stunden ohne den Sonnenschein der Heiterkeit zumutet. Leider läßt Er uns längst nicht immer wissen, warum Er das tut. Oftmals könnten wir es wohl auch gar nicht verstehen. Wir kleinen Menschen haben ja im Vergleich zum allwissenden Gott nur ein "Erbsenhirn", wie es eine gläubige Frau in solchen Situationen oft nannte. Er erwartet auch gar nicht von uns, daß wir Sein Handeln immer verstehen. Er wünscht sich statt dessen "nur" (ich setze dieses Wort in Anführungszeichen, weil das viel leichter gesagt als getan ist), daß wir Ihm vertrauen, daß Er es dennoch mit uns gut meint.

Wenn wir das tun, dann werden diese schweren Zeiten wertvoll. David drückte das so aus:

"Auch, wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich" (Psalm 23, 4).

Wir machen in solchen Zeiten oft ganz besondere, kostbare Erfahrungen mit der Nähe und dem Trost unseres himmlischen Vaters. Nicht selten, wenn auch längst nicht immer, habe ich in höchst chaotischen oder traurigen Zeiten neben dem Streß und bzw. oder der Trauer einen tiefen Frieden erlebt. Und dann auch sehen können, wie Gott irgendwann plötzlich die Situation völlig änderte. Oder mir die Kraft gab, sie zu ertragen.

Der Apostel Paulus erzählt sehr offen von so einer Krisensituation in seinem Leben:

"Wir wollen euch, liebe Geschwister, nämlich nicht in Unkenntnis lassen über die schlimme Notlage, in die wir in der Provinz Asia gekommen sind. Was uns dort passierte, war so übermächtig, so unerträglich schwer, dass wir sogar unser Leben verloren gaben. Tatsächlich fühlten wir uns schon dem Tod geweiht. Wir sollten eben lernen, unser Vertrauen nicht auf uns selbst zu setzen, sondern auf Gott, der die Toten lebendig macht" (2. Korinther 1, 8 - 9).
 
Im Nachhinein erkannte Paulus, was Gott damit bezweckte: geistliches Wachstum. Und ein paar Verse vorher nennt er noch einen weiteren Zweck dieser schlimmen Erfahrung:
 
"In allem Druck, unter dem wir stehen, ermutigt er uns, damit wir unsererseits die ermutigen können, die irgendwie bedrückt werden. Weil Gott uns getröstet und ermutigt hat, können wir andere trösten und ermutigen" (Vers 4).
 
Ich habe jahrlang unter schweren Depressionen gelitten. Das möchte ich nicht noch einmal durchmachen, aber ich möchte diese Zeit auch nicht missen: Denn seitdem kann ich sehr gut Menschen verstehen, denen es genauso geht. Sie leiden ja meist mehr noch als unter ihrer Krankheit unter dem Unverständnis ihrer Mitmenschen. Und so kann ich ihnen in einer Weise und in einem Ausmaß seelsorgerlich helfen, wie es mir vorher nicht möglich war.
 
Deshalb sind in meinen Augen die weniger schönen Stunden eher noch zählenswerter als die schönen.
 
 

Der neueste Popanz

Ein Popanz ist laut Wikipedia eine nicht ernstzunehmende Schreckgestalt. Das Online-Nachschlagewerk nennt als Beispiele den Teufel und die angeblich allein seligmachende (katholische) Kirche.

Die Auswahl dieser Beispiele halte ich für etwas unglücklich. Aber darum geht es mir nicht, sondern um die neueste Schreckgestalt. Man nennt sie "Homophobie" und meint damit jede Form der Ablehnung von Homosexualität. Eine Phobie (von griechisch phobos = Angst) ist eine übertriebene oder grundlose Furcht wie z.B. die Flugangst. Die Betroffenen wissen genau, daß das Flugzeug zumindest statistisch eins der sichersten Verkehrsmittel ist, und dennoch bekommen sie Panikattacken, wenn der Flieger abhebt, in dem sie sitzen.

Ganz Ähnliches unterstellt der Begriff "Homophobie" von seiner Bedeutung her den Menschen, die Homosexualität für nicht normal halten. Das ist aber natürlich völlig unzutreffend. Ich kenne niemanden, der Angst vor Homosexuellen hat, solange sie nicht übergriffig werden - aber das sind ja manche Heterosexuelle auch. Dieser Ausdruck ist ein Kampfbegriff, der den Gegner diffamiert, indem er suggeriert, daß Ablehnung von Homosexualität krankhaft ist.

Inzwischen geht man sogar noch weiter, indem man diese Einstellung "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" nennt und dies als ein "Syndrom" (das gleichzeitige Vorliegen verschiedener Krankheitszeichen, sogenannter Symptome) bezeichnet. Um es mal ganz platt auszudrücken, wird damit gesagt: Wer so denkt, ist reif für die Klapse. Das ist natürlich noch viel diffamierender. So argumentiert man eigentlich nur, wenn einem die Argumente ausgegangen sind.

Diese Denkweise übt eine solche Macht in unserem Land aus, daß sie sogar ungestraft die Meinungsfreiheit einschränkt. Spiegel Online berichtete am 02.06.2015: In einer Ratgeberkolumne des Bielefelder "Westfalenblatts" äußerte ein Leser Unbehagen, seine beiden Töchter als Blumenmädchen auf die Hochzeit eines schwulen Paares zu schicken. Eine Autorin bestärkte ihn in ihrer Antwort darin, denn das würde die Kinder angeblich nur durcheinanderbringen. Nach zwei Tagen angeblich organisierter Anfeindung im Netz habe ein Chefredakteur erklärt, man werde sich umgehend von dieser Autorin trennen. Kommentar des Spiegel-Journalisten: "So schnell begeht man in Deutschland also ein Meinungsverbrechen, das einen den Job kostet." Aus dem Artikel geht auch hervor, daß diese selbsternannten Strafverfolger die "Homophobie" auf dieselbe Stufe stellen wie Rassismus und Antisemitismus. Was für eine himmelschreiende Verharmlosung des Judenhasses!

Kaum jemand haßt Homosexuelle. Es gibt aber immer noch einige Menschen in unserem Land, die an der jahrtausendelang vorgeherrschten Ansicht festhalten, daß Homosexualität eine Perversion der Sexualität zwischen Mann und Frau ist. Das ist nicht politisch korrekt und wird deshalb mit allen Mitteln bekämpft, auch mit ziemlich schmutzigen. Interessant, daß das sogar einem sonst so mainstreammäßigen Medium wie dem Spiegel auffällt.

Ich habe überhaupt kein Problem damit, sogenannte Schwule und Lesben zu tolerieren und zu akzeptieren, genauso wie Menschen, die anders denken als ich. Ich wehre mich nur dagegen, daß man mir deshalb eine Phobie, also eine psychische Krankheit, unterstellt. Es nennt mich ja auch niemand kommunismophob, nur, weil ich kein Anhänger dieser politischen Richtung bin.Und ich unterstelle auch niemandem Evangelikalophobie, nur, weil er diese Glaubensrichtung scharf kritisiert, wie es in unseren Medien immer wieder in meist unsachlicher und unbegründeter Weise geschieht.

Dienstag, 9. Juni 2015

Warum streikt Gott eigentlich nicht?

Lokführerstreik, Kita-Streik und jetzt auch noch Poststreik - unsere Geduld wird ganz schön strapaziert in letzter Zeit. Streiks sind Ausdruck großer Unzufriedenheit der daran beteiligten Arbeitnehmer. Ich will hier gar nicht auf die Frage eingehen, ob und in wieweit die jeweiligen Ausstände berechtigt sind. Mir kam aber soeben eine ganz andere Frage in den Sinn: Warum streikt Gott eigentlich nicht?

Das mag vielen Lesern absurd erscheinen - wieso sollte unser Schöpfer streiken? Er hat doch keine Instanz über sich, der Er etwas abtrotzen könnte! Nein, das natürlich nicht. Aber Er hat mehr Grund zur Unzufriedenheit als alle Menschen der Welt zusammen. Womit und mit wem? Nun, das liegt doch auf der Hand: mit uns, Seinen Geschöpfen! 

Muß ich wirklich auf die unzähligen Mißstände in der ganzen Welt und insbesondere in unserem Land hinweisen? Nein, das muß ich nicht, und deshalb tue ich es auch nicht. Wir ärgern uns ja selbst darüber. Warum setzt Er dann nicht endlich Seiner Geduld ein Ende und schlägt da mal mit der Faust rein?

Nun, das wird Er eines Tages tun:

Der Tag des Herrn wird aber so unerwartet kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel unter schrecklichem Lärm vergehen und die Himmelskörper im Feuer verglühen. Die Erde und alles, was der Mensch auf ihr gemacht hat, werden dann verbrannt werden.
(2. Petrus 3, 10)
  
Bis dahin gilt aber:

Der Herr verzögert seine Zusage nicht, wie manche das meinen. Im Gegenteil: Er hat Geduld mit euch, denn er will nicht, dass irgendjemand ins Verderben geht, sondern dass alle Gelegenheit haben, zu ihm umzukehren.
(2. Petrus 3, 9)

Wie gesagt: Gott hätte allen Grund, zu "streiken". Dieses Wort kommt übrigens vom englischen Verb "strike", dessen Grundbedeutung "schlagen" ist. Daß Er das (noch) nicht tut, das liegt an Seiner unendlich großen Liebe zu uns Menschen und an Seiner unfaßbaren Geduld. Er will, daß wir Menschen diese Zeit nutzen, um Sein Angebot anzunehmen, uns unsere Schuld zu vergeben auf der Grundlage des stellvertretenden Opfertodes Seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz. Wenn Er einst mit Seinem gerechten Gericht beginnt, ist es zu spät dazu.

Aber auch diejenigen von uns, die das schon getan haben und um die Vergebung ihrer Schuld wissen, profitieren täglich davon, daß Gott ihnen gegenüber nicht von Seinem "Streikrecht" Gebrauch macht. Seitdem wir Ihn als unseren Erlöser und Herrn angenommen haben, hat es nicht einen Tag gegeben, an dem wir Ihn nicht enttäuscht, Ihm nicht wehgetan und Ihn beleidigt haben durch unser Versagen, unsere Halbherzigkeit, unsere Lieblosigkeit usw. Und doch hält Er uns unverbrüchlich die Treue Begreifen kann ich das nicht. Aber wir können und sollten Ihm zutiefst dankbar sein dafür.

Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue.
(Klagelieder 3, 22 - 23)