Sonntag, 21. Juni 2015

Der neueste Popanz

Ein Popanz ist laut Wikipedia eine nicht ernstzunehmende Schreckgestalt. Das Online-Nachschlagewerk nennt als Beispiele den Teufel und die angeblich allein seligmachende (katholische) Kirche.

Die Auswahl dieser Beispiele halte ich für etwas unglücklich. Aber darum geht es mir nicht, sondern um die neueste Schreckgestalt. Man nennt sie "Homophobie" und meint damit jede Form der Ablehnung von Homosexualität. Eine Phobie (von griechisch phobos = Angst) ist eine übertriebene oder grundlose Furcht wie z.B. die Flugangst. Die Betroffenen wissen genau, daß das Flugzeug zumindest statistisch eins der sichersten Verkehrsmittel ist, und dennoch bekommen sie Panikattacken, wenn der Flieger abhebt, in dem sie sitzen.

Ganz Ähnliches unterstellt der Begriff "Homophobie" von seiner Bedeutung her den Menschen, die Homosexualität für nicht normal halten. Das ist aber natürlich völlig unzutreffend. Ich kenne niemanden, der Angst vor Homosexuellen hat, solange sie nicht übergriffig werden - aber das sind ja manche Heterosexuelle auch. Dieser Ausdruck ist ein Kampfbegriff, der den Gegner diffamiert, indem er suggeriert, daß Ablehnung von Homosexualität krankhaft ist.

Inzwischen geht man sogar noch weiter, indem man diese Einstellung "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" nennt und dies als ein "Syndrom" (das gleichzeitige Vorliegen verschiedener Krankheitszeichen, sogenannter Symptome) bezeichnet. Um es mal ganz platt auszudrücken, wird damit gesagt: Wer so denkt, ist reif für die Klapse. Das ist natürlich noch viel diffamierender. So argumentiert man eigentlich nur, wenn einem die Argumente ausgegangen sind.

Diese Denkweise übt eine solche Macht in unserem Land aus, daß sie sogar ungestraft die Meinungsfreiheit einschränkt. Spiegel Online berichtete am 02.06.2015: In einer Ratgeberkolumne des Bielefelder "Westfalenblatts" äußerte ein Leser Unbehagen, seine beiden Töchter als Blumenmädchen auf die Hochzeit eines schwulen Paares zu schicken. Eine Autorin bestärkte ihn in ihrer Antwort darin, denn das würde die Kinder angeblich nur durcheinanderbringen. Nach zwei Tagen angeblich organisierter Anfeindung im Netz habe ein Chefredakteur erklärt, man werde sich umgehend von dieser Autorin trennen. Kommentar des Spiegel-Journalisten: "So schnell begeht man in Deutschland also ein Meinungsverbrechen, das einen den Job kostet." Aus dem Artikel geht auch hervor, daß diese selbsternannten Strafverfolger die "Homophobie" auf dieselbe Stufe stellen wie Rassismus und Antisemitismus. Was für eine himmelschreiende Verharmlosung des Judenhasses!

Kaum jemand haßt Homosexuelle. Es gibt aber immer noch einige Menschen in unserem Land, die an der jahrtausendelang vorgeherrschten Ansicht festhalten, daß Homosexualität eine Perversion der Sexualität zwischen Mann und Frau ist. Das ist nicht politisch korrekt und wird deshalb mit allen Mitteln bekämpft, auch mit ziemlich schmutzigen. Interessant, daß das sogar einem sonst so mainstreammäßigen Medium wie dem Spiegel auffällt.

Ich habe überhaupt kein Problem damit, sogenannte Schwule und Lesben zu tolerieren und zu akzeptieren, genauso wie Menschen, die anders denken als ich. Ich wehre mich nur dagegen, daß man mir deshalb eine Phobie, also eine psychische Krankheit, unterstellt. Es nennt mich ja auch niemand kommunismophob, nur, weil ich kein Anhänger dieser politischen Richtung bin.Und ich unterstelle auch niemandem Evangelikalophobie, nur, weil er diese Glaubensrichtung scharf kritisiert, wie es in unseren Medien immer wieder in meist unsachlicher und unbegründeter Weise geschieht.

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