Dienstag, 9. Juni 2015

Warum streikt Gott eigentlich nicht?

Lokführerstreik, Kita-Streik und jetzt auch noch Poststreik - unsere Geduld wird ganz schön strapaziert in letzter Zeit. Streiks sind Ausdruck großer Unzufriedenheit der daran beteiligten Arbeitnehmer. Ich will hier gar nicht auf die Frage eingehen, ob und in wieweit die jeweiligen Ausstände berechtigt sind. Mir kam aber soeben eine ganz andere Frage in den Sinn: Warum streikt Gott eigentlich nicht?

Das mag vielen Lesern absurd erscheinen - wieso sollte unser Schöpfer streiken? Er hat doch keine Instanz über sich, der Er etwas abtrotzen könnte! Nein, das natürlich nicht. Aber Er hat mehr Grund zur Unzufriedenheit als alle Menschen der Welt zusammen. Womit und mit wem? Nun, das liegt doch auf der Hand: mit uns, Seinen Geschöpfen! 

Muß ich wirklich auf die unzähligen Mißstände in der ganzen Welt und insbesondere in unserem Land hinweisen? Nein, das muß ich nicht, und deshalb tue ich es auch nicht. Wir ärgern uns ja selbst darüber. Warum setzt Er dann nicht endlich Seiner Geduld ein Ende und schlägt da mal mit der Faust rein?

Nun, das wird Er eines Tages tun:

Der Tag des Herrn wird aber so unerwartet kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel unter schrecklichem Lärm vergehen und die Himmelskörper im Feuer verglühen. Die Erde und alles, was der Mensch auf ihr gemacht hat, werden dann verbrannt werden.
(2. Petrus 3, 10)
  
Bis dahin gilt aber:

Der Herr verzögert seine Zusage nicht, wie manche das meinen. Im Gegenteil: Er hat Geduld mit euch, denn er will nicht, dass irgendjemand ins Verderben geht, sondern dass alle Gelegenheit haben, zu ihm umzukehren.
(2. Petrus 3, 9)

Wie gesagt: Gott hätte allen Grund, zu "streiken". Dieses Wort kommt übrigens vom englischen Verb "strike", dessen Grundbedeutung "schlagen" ist. Daß Er das (noch) nicht tut, das liegt an Seiner unendlich großen Liebe zu uns Menschen und an Seiner unfaßbaren Geduld. Er will, daß wir Menschen diese Zeit nutzen, um Sein Angebot anzunehmen, uns unsere Schuld zu vergeben auf der Grundlage des stellvertretenden Opfertodes Seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz. Wenn Er einst mit Seinem gerechten Gericht beginnt, ist es zu spät dazu.

Aber auch diejenigen von uns, die das schon getan haben und um die Vergebung ihrer Schuld wissen, profitieren täglich davon, daß Gott ihnen gegenüber nicht von Seinem "Streikrecht" Gebrauch macht. Seitdem wir Ihn als unseren Erlöser und Herrn angenommen haben, hat es nicht einen Tag gegeben, an dem wir Ihn nicht enttäuscht, Ihm nicht wehgetan und Ihn beleidigt haben durch unser Versagen, unsere Halbherzigkeit, unsere Lieblosigkeit usw. Und doch hält Er uns unverbrüchlich die Treue Begreifen kann ich das nicht. Aber wir können und sollten Ihm zutiefst dankbar sein dafür.

Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue.
(Klagelieder 3, 22 - 23)

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