Dienstag, 29. Dezember 2015

Gedanken zur Jahreslosung 2016



Wie jemand, den seine Mutter tröstet, so werde ich euch trösten.
Jesaja 66, 13


Wir Evangelikalen machen oft den Fehler, Bibelworte einfach eins zu eins auf uns anzuwenden, ohne danach zu fragen, wem sie eigentlich ursprünglich gegolten haben und in welchem Zusammenhang sie stehen.

Diese wunderbare Verheißung steht im letzten Kapitel des Buches Jesaja. Darin geißelt der Prophet im Auftrag Gottes wieder einmal die Scheinheiligkeit seines Volkes: Sie geben sich sehr fromm, indem sie die vom Gesetz verlangten Opfer bringen. Gleichzeitig aber tun sie Dinge, die Gott ein Greuel sind, und sind Ihm ungehorsam.

Der zweite Teil des Buches Jesaja besteht eigentlich eher aus Verheißungen und Ermutigungen Gottes für Sein Volk. Aber hier, im letzten Kapitel, kündigt Er noch einmal Gericht an (Vers 4). Aber gleich danach prophezeit Er wunderbare, herrliche Zeiten für diejenigen Juden, die sich an diesem Treiben nicht beteiligt haben, sondern darüber traurig sind (Vers 10 b).

Und in diesem Zusammenhang steht das Bibelwort, das uns 2016 begleiten soll. Es ist eine Verheißung, deren Erfüllung Gottes Volk noch nicht im vollen Maß erlebt hat. Und wir als Seine Kinder auch nicht.

Zwar spricht Paulus in 2. Korinther 1 auch davon, daß Gott uns tröstet, aber das ist doch immer nur vorübergehend. Der Herr Jesus selbst hat gesagt: „In der Welt habt ihr Angst (wörtlich: Bedrängnis).“ Und Er fährt fort: „Aber seid guten Mutes …“; allerdings begründet Er das nicht mit der Zusage Seines Trostes, sondern: „denn ich habe die Welt besiegt.“ Von diesem Seinem Sieg werden wir aber erst am Ende der Zeit in vollem Maße profitieren.

Mich erinnert unsere Jahreslosung an eine Verheißung aus dem Buch der Offenbarung des Johannes: „ … und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen“ (Offenbarung 7, 17/ 21, 4). Können das nicht auch die Engel tun? Ja sicher! Aber das ist unserem himmlischen Vater so wichtig, daß Er es selbst machen wird – das ist Chefsache!

Ich habe in unserem Bibelwort das persönliche Fürwort „ich“ unterstrichen. Der Grund dafür ist, daß solche Fürwörter im Hebräischen normalerweise gar nicht erwähnt werden – wer jeweils spricht oder handelt, das geht aus der Verbform (Form des Tätigkeitswortes) eindeutig hervor. Wenn es dann doch genannt wird, dann, um zu betonen, wer der Handelnde ist. Hier ist es Gott selbst.

Nicht jeder von uns hat eine Mutter (gehabt), bei der er immer den Trost findet oder gefunden hat, den er braucht(e). Mütter sind nun einmal auch nur Menschen. Deshalb ist dieses Bild vielleicht nicht für jeden von uns hilfreich. Dann denk daran: Gott ist unser vollkommener himmlischer Vater, der immer Zeit und Verständnis und Liebe für uns hat. Wenn unsere Mutter uns Tränen abgewischt hat, dann war es letztlich nur eine Frage der Zeit, daß wir irgendwann wieder geweint haben. Aber wenn wir einst durch Gottes Gnade im Himmel ankommen, wahrscheinlich noch mit Tränen in den Augen, dann werden das die letzten Tränen sein, die wir geweint haben.

Zurück zum Zusammenhang unseres Bibelwortes: Wer diese Gewißheit hat, dem sollte sie eigentlich ein großer Ansporn sein zum Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, wie er uns in der Bibel geoffenbart worden ist und wie wir ihn in Seinem persönlichen, stillen Reden zu uns im Alltag erfahren. Laß uns Ihm gerade auch im neuen Jahr folgen!

Dienstag, 22. Dezember 2015

Juden nicht mit dem Evangelium belästigen?

In den beiden großen Kirchen sowie in einigen Freikirchen herrscht die Ansicht vor, daß man Juden nicht mit dem Evangelium "belästigen" sollte. Erstens haben sie durch den Holocaust (oder, wie die Juden sagen, die Schoah) schon genug durchgemacht. Und zweitens brauchen sie Jesus gar nicht, weil Gott einen ganz anderen Heilsweg für sie habe.


Zu Punkt 1 habe ich einmal einen messianischen Juden sinngemäß sagen gehört: "Gerade weil wir Juden so Schlimmes durchgemacht haben, darf man uns das Evangelium nicht vorenthalten."

Das sind nun zwei sehr konträre Meinungen. Was sagt denn die Bibel dazu? Ich bin in meiner heutigen Bibellese über das "gestolpert", was der Engel des Herrn zu Joseph sagte, als der von der Schwangerschaft seiner Verlobten gehört hatte. Da sagte der Engel u.a.:

Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn Er wird Sein Volk retten von ihren Sünden. (Matthäus 1, 24)

Ich bin über die Worte "Sein Volk" gestolpert. Ich hätte eher erwartet, daß der Engel von "der Menschheit" oder "allen Menschen" spricht. Aber er beschränkt sich hier auf die Juden. Das heißt, Jesus ist der Messias, der Retter vor allem und in erster Linie Seines Volkes. Wenn das so ist (und es kann keinen Zweifel daran geben, wie wir noch sehen werden), dann ist es absurd und pervers, allen Völkern die Gute Nachricht von Jesus Christus zu sagen und sie ausgerechnet den Juden vorzuenthalten. 

Bekanntlich hat der Jude Paulus das genauso gesehen. Wenn man die Apostelgeschichte liest, sieht man, wie sehr er sich vor allem am Anfang seiner Missionstätigkeit bemüht hat, andere Juden für den Messias Jesus zu gewinnen. Ich weise nochmals darauf hin, daß Paulus Jude war. Und auch der Jude Petrus hat Juden missioniert. Die ersten Kapitel der Apostelgeschichte zeigen, wie schwer sich die ersten Christen (die ja alle Juden waren) damit taten, zu begreifen, daß Gottes Heilsangebot auch den Nichtjuden gilt.

Auch danach hat Paulus daran festgehalten, daß das Heil in Jesus Christus zuerst und vor allem den Juden gilt:

Denn ich bekenne mich offen und ohne Scham zu dieser Botschaft: Sie ist ja Gottes Kraft und rettet jeden, der ihr glaubt. Das gilt zunächst für Juden ... (Römer 1, 16, Neue Evangelistische Übersetzung)

 Und der Jude Petrus erklärte kategorisch und scheinbar "intolerant":

Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist uns Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können. (Apostelgeschichte 4, 12, Neue Genfer Übersetzung)

Das paßt auch zu dem, was der Jude Jesus über sich selbst gesagt hatte:
 
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Johannes 14, 6, Neues-Leben-Übersetzung)

Das schließt einen besonderen Heilsweg für die Juden logischerweise aus.

Den Juden das Evangelium zu bezeugen und nahezubringen, sollte also nicht nur selbstverständlich sein, sondern in der Missionsarbeit sogar eine hohe Priorität haben. Daß wir Deutschen dazu nicht besonders geeignet sind nach allem, was wir den Juden angetan haben, steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber wer Juden in seinem Umfeld hat, sollte keine Scheu haben, Gelegenheiten zu nutzen, um ihnen zu sagen, was und wieviel ihm oder ihr der Messias Jesus bedeutet.

Sonntag, 20. Dezember 2015

Weihnachtsfreude ohne Weihnachtsstimmung?

Drei Weihnachtsfeste in meinem Leben gab bzw. gibt es, an denen es mit Weihnachtsstimmung schwierig war bzw. ist:

1979 wollten wir am 27.12. umziehen (kann man wirklich so dämlich sein?). Vorher mußten wir noch die alte Wohnung renovieren. Also stellten wir die Möbel in der Mitte der Zimmer zusammen, um die Wände neu streichen zu können. An Heiligabend legte ich den Pinsel beiseite, ging zu Freunden, um den Weihnachtsmann zu geben, und dann ging es zurück, und ich renovierte weiter.

1983 war unser erstes Weihnachten in Haiti. Natürlich gab es keinen Weihnachtsbaum, und die mitgebrachten Kerzen bogen sich traurig zur Seite durch die Hitze. Den zweiten Weihnachtstag (oder war es erst der 27.12.?) verbrachten wir am Meeresstrand. Obwohl wir selbst im Wasser T-Shirts trugen, holten wir uns einen Sonnenbrand, der sich gewaschen hatte. Fröhliche Weihnachten!

Dieses Jahr stecken wir mal wieder in einem Umzug. Ich bin aus beruflichen Gründen schon mal allein mit dem Nötigsten hier in Bremen eingezogen, während meine Frau noch einmal zurück nach Rüsselsheim mußte für ihre letzten Arbeitstage und um den eigentlichen Umzug vorzubereiten. Heiligabend kommt sie wieder. Aber Ihr müßtet mal sehen, wie es hier aussieht! Das Wohnzimmer wird nur noch von vollen Umzugskartons bevölkert, und der Parkettboden löst sich in Wohlgefallen auf (Anfang nächsten Jahres wird er erneuert). Wie würde sich wohl ein geschmückter Weihnachtsbaum in diesem Chaos machen?

Daß in solchen Situationen kaum Weihnachtsstimmung aufkommt (trotz des Adventsgestecks und des Weihnachtssterns in der Küche), liegt ja wohl auf der Hand. Trotzdem werden die Feiertage für uns eine gesegnete Zeit werden. Warum? Nun, Weihnachtsstimmung ist etwas schönes, aber wahre Weihnachtsfreude ist davon nicht abhängig. Unsere so fast gar nicht weihnachtliche Wohnung ändert doch nichts daran, daß Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, um am Kreuz das größte Problem der Menschheit zu lösen - Er ist dort stellvertretend für uns gestorben als Strafe für unsere Schuld vor Gott. Auf dieser Basis kann Gott uns alles vergeben, womit wir gegen Seine guten Gebote verstoßen haben.

Das ist das größte und wunderbarste Weihnachtsgeschenk. Selbst, wenn ich dieses Jahr überhaupt kein Geschenk bekäme, wäre ich damit unendlich reich beschenkt.

Nochmal zum Mitschreiben: 
Weihnachtsstimmung ist etwas schönes, aber wahre Weihnachtsfreude ist davon nicht abhängig.

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs diese tiefe, beglückende und bereichernde Weihnachtsfreude, die auch am 27.12. noch nicht vorbei sein muß.