Dienstag, 22. Dezember 2015

Juden nicht mit dem Evangelium belästigen?

In den beiden großen Kirchen sowie in einigen Freikirchen herrscht die Ansicht vor, daß man Juden nicht mit dem Evangelium "belästigen" sollte. Erstens haben sie durch den Holocaust (oder, wie die Juden sagen, die Schoah) schon genug durchgemacht. Und zweitens brauchen sie Jesus gar nicht, weil Gott einen ganz anderen Heilsweg für sie habe.


Zu Punkt 1 habe ich einmal einen messianischen Juden sinngemäß sagen gehört: "Gerade weil wir Juden so Schlimmes durchgemacht haben, darf man uns das Evangelium nicht vorenthalten."

Das sind nun zwei sehr konträre Meinungen. Was sagt denn die Bibel dazu? Ich bin in meiner heutigen Bibellese über das "gestolpert", was der Engel des Herrn zu Joseph sagte, als der von der Schwangerschaft seiner Verlobten gehört hatte. Da sagte der Engel u.a.:

Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn Er wird Sein Volk retten von ihren Sünden. (Matthäus 1, 24)

Ich bin über die Worte "Sein Volk" gestolpert. Ich hätte eher erwartet, daß der Engel von "der Menschheit" oder "allen Menschen" spricht. Aber er beschränkt sich hier auf die Juden. Das heißt, Jesus ist der Messias, der Retter vor allem und in erster Linie Seines Volkes. Wenn das so ist (und es kann keinen Zweifel daran geben, wie wir noch sehen werden), dann ist es absurd und pervers, allen Völkern die Gute Nachricht von Jesus Christus zu sagen und sie ausgerechnet den Juden vorzuenthalten. 

Bekanntlich hat der Jude Paulus das genauso gesehen. Wenn man die Apostelgeschichte liest, sieht man, wie sehr er sich vor allem am Anfang seiner Missionstätigkeit bemüht hat, andere Juden für den Messias Jesus zu gewinnen. Ich weise nochmals darauf hin, daß Paulus Jude war. Und auch der Jude Petrus hat Juden missioniert. Die ersten Kapitel der Apostelgeschichte zeigen, wie schwer sich die ersten Christen (die ja alle Juden waren) damit taten, zu begreifen, daß Gottes Heilsangebot auch den Nichtjuden gilt.

Auch danach hat Paulus daran festgehalten, daß das Heil in Jesus Christus zuerst und vor allem den Juden gilt:

Denn ich bekenne mich offen und ohne Scham zu dieser Botschaft: Sie ist ja Gottes Kraft und rettet jeden, der ihr glaubt. Das gilt zunächst für Juden ... (Römer 1, 16, Neue Evangelistische Übersetzung)

 Und der Jude Petrus erklärte kategorisch und scheinbar "intolerant":

Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist uns Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können. (Apostelgeschichte 4, 12, Neue Genfer Übersetzung)

Das paßt auch zu dem, was der Jude Jesus über sich selbst gesagt hatte:
 
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Johannes 14, 6, Neues-Leben-Übersetzung)

Das schließt einen besonderen Heilsweg für die Juden logischerweise aus.

Den Juden das Evangelium zu bezeugen und nahezubringen, sollte also nicht nur selbstverständlich sein, sondern in der Missionsarbeit sogar eine hohe Priorität haben. Daß wir Deutschen dazu nicht besonders geeignet sind nach allem, was wir den Juden angetan haben, steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber wer Juden in seinem Umfeld hat, sollte keine Scheu haben, Gelegenheiten zu nutzen, um ihnen zu sagen, was und wieviel ihm oder ihr der Messias Jesus bedeutet.

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