Mittwoch, 13. Januar 2016

Vertraute und doch fremde Heimat

Am 6. Oktober 2013 habe ich in diesem Blog einige Gedanken zum Thema "Heimat" festgehalten. Damals schrieb ich u.a.:

Wir leben nun schon seit über fünfundzwanzig Jahren in Bischofsheim bzw. Rüsselsheim, sind aber in Norddeutschland aufgewachsen. Da läge es eigentlich nahe, daß wir dorthin zurückkehren, wenn in wenigen Jahren unser Ruhestand beginnt. Das werden wir aber nicht tun. Wir sind zwar sehr oft umgezogen (zuletzt 2007), haben aber nirgends so lange "am Stück" in einer Gegend gewohnt wie hier im südwestlichen Rhein-Main-Gebiet. Hier haben wir unseren Freundeskreis, und hier fühlen wir uns daheim.

Aber, wie mein Vater immer sagte, soll man nie "nie" sagen. Denn inzwischen wohnen wir doch im Elternhaus meiner Frau in Bremen. Mein Schwiegervater hatte sich das immer gewünscht, und da wir hier mietfrei wohnen, sparen wir viel Geld. Der Vater meiner Frau ist im September vorigen Jahres plötzlich gestorben, und meine Frau hat das Haus geerbt - also haben wir unsere Pläne geändert.

Allerdings fällt uns die Umstellung doch ziemlich schwer, obwohl meine Frau ja hier aufgewachsen ist und mir das Haus und die Stadt Bremen auch durchaus nicht fremd sind. Daß diese Wohnung noch nicht "unsere" ist und wir innerlich auch nach mehreren Wochen noch nicht "angekommen" sind, liegt sicherlich auch daran, daß die meisten unserer Möbel noch in der alten Wohnung in Rüsselsheim stehen, weil hier noch sehr viele Renovierungs- und Änderungsarbeiten durchgeführt wurden und noch werden. Es hängt aber auch damit zusammen, daß einem in unserem Alter Veränderungen schwerer fallen als früher. Wir haben Heimweh nach Hessen! Dabei wurde uns bewußt, daß wir trotz allem nie richtige Hessen waren und wohl auch nie richtige Bremer werden. Wir sind nirgends wirklich zu Hause!

Natürlich werden wir uns hier wohler fühlen, wenn wir erst einmal richtig eingerichtet sind und uns eingelebt haben. Wir hatten ja bisher auch so gut wie keine Zeit, um in dieser Stadt den Kontakt zu Verwandten und alten Freunden wiederaufleben zu lassen. Aber ich fürchte, es wird immer ein Stück Heimatlosigkeit zurückbleiben.

Das ist natürlich einerseits traurig. Aber andererseits ist es sogar gut so. Die meisten Menschen und sogar ein ganz großer Teil der bewußten, engagierten Christen leben nämlich faktisch so, als gäbe es nur das Diesseits. Dabei sagt die Bibel etwas ganz Anderes:

Denn hier auf der Erde haben wir keine Heimat. Unsere Sehnsucht gilt jener künftigen Stadt, zu der wir unterwegs sind (Hebräer 13, 14, Neue Evangelistische Übersetzung).

Diese Sehnsucht spüre ich nur bei ganz wenigen Christen - leider.

Doch wir haben unser Bürgerrecht im Himmel (Philipper 3, 20, Neue Evangelistische Übersetzung).

Christen sind überall auf der Welt Ausländer! Wir sind hier, um einen Auftrag zu erfüllen, aber danach geht es endlich "nach Hause"! Meine gefühlte Heimatlosigkeit erinnert mich an diese Tatsache und hilft mir, mein Leben aus der Perspektive der Ewigkeit zu sehen. Alles Materielle, was uns in dieser Welt so wichtig ist, ist nur provisorisch und wird vergehen. In den Himmel können wir es nicht mitnehmen, und es wäre dort auch nur Müll.

Christen sollten mit beiden Beinen auf dem Boden dieser Erde stehen, aber ihr Herz sollten sie schon in den Himmel vorausschicken.

Woran hängt Dein Herz? Wo bist Du zu Hause?

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