Samstag, 22. Oktober 2016

"A bit underdressed for the occasion"

Das ist ein typisch britischer Ausdruck, mit dem jemand kritisiert wird, der zu leger gekleidet an einer Veranstaltung teilnimmt oder einer Einladung folgt. Amerikaner, die diesbezüglich etwas lockerer sind, würden das wohl "too casual" nennen (zu salopp).

Daran denke ich in letzter Zeit oft, wenn ich Männer im Fernsehen wahrnehme. Dabei wäre auch noch Manches zu sagen über ungekämmte Haare bzw. die Unsitte, daß auch Herren sich in letzter Zeit manchmal von Friseuren die Haare so zurichten lassen, daß sie aussehen, als wären sie schon lange nicht mehr mit einem Kamm in Berührung gekommen - was Frauen ja schon länger gerne machen.

Aber das nur nebenbei. Früher sah man in der Flimmerkiste z.B. Moderatoren in Anzugjacke, einfarbigem Hemd und dazu passender Krawatte. Das hat mir immer gut gefallen. Dann änderte sich die Mode jedoch dahingehend, daß die Krawatte nicht mehr zum Hemd paßte bzw. zur Anzugjacke oder auch alles sich farblich und bzw. oder mustermäßig biß. Ich bin z.B. so hoffnungslos altmodisch, daß ich finde, braun und schwarz sieht zusammen unmöglich aus. 

Dann kam plötzlich der halbe Krawattenknoten in Mode, so daß das Ding seitdem zwangsläufig immer mehr oder weniger schief hängt (obwohl man teilweise auch schon wieder zum "doppelten Windsor" zurückkehrt). Um das etwas zu mildern, werden die Schlipse seitdem meist dick gefüttert hergestellt. Was bei mir, der ich sie weiter so binde wie eh und je, oft zu einem zu kurzen Kulturstrick führt, denn der soll ja eigentlich bis zum Gürtel reichen - und das trotz des gut gewölbten Bauches!

Aber das war den Modediktatoren immer noch zu formal. Als nächstes wurde die Krawatte einfach ganz weggelassen, und man ließ den obersten Knopf des Hemdes offen. Das sieht immerhin besser aus als ein von Farbe und bzw. oder Muster her nicht passender, schief hängender Schlips. 

Derzeitiger Entwicklungsstand ist, daß jetzt auch der zweite Knopf offen bleibt. Dazu trägt man ein Unterhemd mit rundem, kleinen Kragen, damit der Fernsehzuschauer auch ja sehen kann, daß man ein solches anhat. 

Jetzt kratze ich mich ratlos am Kopf und frage mich, was als Nächstes kommt: Läßt man das Hemd ganz offen und über den Gürtel hängen? 

Ich bin gespannt!